Zeit für eine Entscheidung

Zeit nehmen für uns als Familie

Es wird für mich und uns Zeit etwas grundlegendes zu ändern. Lange bin ich meinem eigenen Leben hinterher gejagt. Am Ende stand viel Chaos in Herz und Hirn. Wie ich da jetzt rauskomme? Erzähle ich euch im vorerst letzten Artikel.

Ihr Lieben,

Zwei Sommermonate liegen hinter uns. Eigentlich wollte ich euch längst wieder mit Artikeln, Gedanken und News aus unserem Leben versorgen. Jetzt ist es anders gekommen.

Schöne Aussicht …

Gestern saß ich auf einer unserer 33 Fensterbänke. Waffe des Tages: ein riesiger Pinsel mit blauer Farbe. Denn: Die Holzfenster schaffen keinen weiteren Winter. Wenn wir sie jetzt nicht restaurieren, sind sie dahin und wir bankrott. Vor einer Woche dachte ich noch, dass der Schreiner Pinsel, Schleifpapier und Lasur schwingen würde. Jetzt hat er leider weniger Zeit als angenommen. Das Silicon ist bereits aus den Fugen gekratzt, keine Chance, das Ganze zu vertagen. Eigentlich wollte ich diese Woche meine Reportage fertig machen, meine beiden Fortbildungen nacharbeiten und die letzten Spuren von Merlins Taufgeburtstag beseitigen. Daraus wird nichts. Auch die Planung der Kinder-Singkurse vertage ich, von meiner Thesis fürs Studium ganz zu schweigen.

Irgendetwas läuft schief …

Es ist nichts Neues, dass RiskyDad und ich uns fühlen wie zwei Feuerwehrleute, die ständig selbstgelegte Großbrände löschen. Unser Leben fühlt sich schon lange wie ein  Feuerwerk an, das hin und wieder aus dem Ruder gerät. Es ist symptomatisch für die Art, wie wir leben. Wir haben selten Puffer eingebaut in unsere Planungen. Dazu kommt, dass mich täglich neue Ideen heimsuchen, eine schreit lauter als die nächste. Alle sind wichtig, alle wollen meine Aufmerksamkeit. Das glaubte ich zumindest. Das Ergebnis? Lauter halbausgebrütete Projekte, deren offene Enden mich mittlerweile mehr belasten als inspirieren. Zurück bleibt ein Gefühl von Ohnmacht. Wie soll ich das alles bewältigen, gleichzeitig meiner Familie und mir selbst gerecht werden?

Meine neueste Idee: keiner mehr zu folgen

Die Wahrheit ist: Das geht nicht. Lange habe ich mir vorgemacht, ich könnte es schon irgendwie schaffen. Es seien nur die anderen, die abends müde sind und irgendwas falsch machen. Nur die anderen verpassen die vielen Gelegenheiten etwas zu “schaffen” und kuscheln sich stattdessen gemütlich mit ihren Kindern ins Bett. Oder pfeifen aus anderen Gründen auf das Erreichen von 1001 Zielen. In Wirklichkeit sind es die Klugen, die sich für eine kleine, exquisite Prioritäten-Auswahl entscheiden, der sie sich hingeben mit allem, was sie sind und haben.

Ich nehme mir jetzt die Zeit herauszufinden, ob ich wirklich so viel Kraft habe. Oder ob ich meine eigenen Grenzen einfach nicht spüren kann.

Seit vier Monaten arbeite ich wieder regelmäßig mit meiner Coachin. Sie unterstützt mich, mithilfe der Inneren-Kind-Repräsentationen auf die Spuren der Muster zu kommen, die zielsicher meine eigentlichen Ziele boykottieren. Es ist dieser CreativeTinnitus, der mich nachts, tags und dazwischen wie ein Uhrwerk, allerdings keines aus der Schweiz, im Tun verhaftet. Merlin spiegelt mir, dass es auch ihm zu viel wird.

Mama, ich will zuhause bleiben. Ich will nicht schon wieder verreisen.

Was folgt daraus?

Ich habe eine Entscheidung getroffen. In den nächsten Monaten konzentriere ich mich auf den Journalismus. Zuerst beende ich meine nächste Reportage, dann vertiefe ich mich ins Filmen. Videodreh, Filmanalyse, Filmkritik. Ich möchte Zeit verbringen mit meiner Familie inklusive der Hunde. Sie brauchen endlich wieder die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Und vorher streiche ich die Fenster, bis das letzte himmelblau leuchtet. Eines nach dem anderen, parallel war gestern.

Ich fühle mich wie ein Juncky auf Entzug. Mit Aussicht auf Heilung.

Ich sage euch, das ist eine riesige Herausforderung für mich. Ich habe alle Termine abgesagt, reise nirgendwohin und sage tapfer „Nein“ zu Einladungen. Wir haben dieses Jahr bereits auf eine größere Reise verzichtet. Jetzt verzichte ich auch noch auf die kleineren Ablenkungen. Wenn mich eine Idee packt, ich mir vorstelle, wie viel ich bei der Umsetzung lernen würde, kann ich der Versuchung, Feuer unterm Kessel zu machen, kaum widerstehen.

Mein Methadon?

Der Gedanke, die angefangenen Enden, die sich in Kopf und Herz zu einem Knoten verheddert haben zu lösen und ihnen einen Platz, ein Zuhause zu geben, fühlt sich wahrhaftiger an als das Horten von Projektleichen. Morgen setze ich mich wieder auf eine der Fensterbänke, schleife und male das alte, verwitterte Fensterholz. Und ich mache es gern, auch wenn es eine Schinderei ist. Es ist wie die Unterschrift unter meinem Vertrag mit mir selbst, einen Punkt hinter ein Jedes zu setzen, dem ich wohl überlegt und wohl gefühlt ein Ja gegeben habe.

Keep in touch!

Ich freue mich über jede und jeden, die oder der weiterhin im Blogwohnzimmer vorbei schaut, mir Nachrichten schreibt oder mich auf facebook oder Instagram besucht. Dort könnt ihr mich weiterhin finden. Das kann und möchte ich derzeit leisten. Wann das neue Blogwohnzimmer fertig wird und es sich für mich wieder stimmig anfühlt, es mit Leben zu füllen, kann ich euch nicht sagen. Ich nehme mir jetzt Zeit herauszufinden, was mir so wichtig ist, dass es die Halbwertzeit der ersten Begeisterung überdauert.

Neu- Zeit – One after the other.

In dem Sinn bleibe ich eure RiskyMum, die sich nicht verabschiedet, sondern für sich und ihre Familie einsteht.

Habt es gut und tschüss, ihr Lieben.

Eure Tanja

RiskyMum nimmt sich Zeit, um nichts zu wollen. Trinkt ein Glas Sekt.
Keinen Plan? Keinen Plan.

Tanja Conrad

1 Comment

  1. Brigitte 11. Oktober 2018

    Liebe Tanja,
    klingt nach einer turbulenten, inspirierenden aber auch sehr anstrengenden Zeit… Und irgendwie geht es so vielen engagierten und begeisterungsfähigen Menschen so,: Es ist manchmal einfach schwer, herauszufinden, was dran ist, was wirklich wichtig ist. Sich für Zeit zu nehmen ist eine super Sache. Vielen Dank, dass du diesen Entschluss mit uns teilst.
    Alles Liebe für dich
    Brigitte

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