Thermomix – die kochende Klobrille & der Saurier im Kopf

Küchenmaschine Thermomix

Thermomix – nix für schwache Gemüter. Die einen würden ihn mit ins Grab nehmen – andere schleppen ihn mit zum Camping. Und eine weitere Spezies möchte gar nichts wissen von der Krone der Küchengerät-Schöpfungen. Zu welcher Sorte ich gehöre und warum er mich dazu bringt, über mein Reptiliengehirn zu reflektieren, liest du im Artikel.

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Die Einschläge kommen näher

Mein Bruder ist ein cooler Typ. Und mein Bruder dreht langsam durch, denke ich, als er mir mit glänzenden Augen seinen neuen Mitbewohner vorstellt: Gestatten, der Thermomix. Das dicke Ding hat sich auf der Küchenarbeitsplatte breit gemacht und scheint darüber zu wachen, ob Kochlöffel, Sieb und Backofen auch ja ihren Dienst verrichten. Als brave Journalistin nehme ich den Gedanken sofort zurück und überlege, ob es nicht vielleicht einen Sinn haben könnte, ein Gerät auf den Küchen-Thron zu stellen, das aussieht wie eine Klobrille, dafür groteskerweise einen Designpreis, den Red Dot Award, eingefahren hat und Essen produziert, das immer gleich schmeckt.

Das Vorurteil, ein uralt‘ Ding

Zum Glück weiß ich um die zuweilen fragwürdigen Dienste, die mein Stammhirn mir angedeihen lassen will. Nicht immer kann ich mich gegen den urzeitlichen Saurier wehren, der will, dass alles so bleibt, wie es ist. Mein Kopfkrokodil mault in penetranter Dauerschleife: Also, sowas kommt uns nicht ins Haus! Spießer-Ding! Was willst du mit einer Küchenmaschine, die dir das Leben erleichtern könnte?! Nein, nein. Wir kommen mit unserem Chaos bestens aus und wissen, wie wir es in Schach halten. Im Grunde bringt mich dieses lärmende Reptil erst dazu, mir auszumalen, wie sich so ein Stahl-Plastik-Saurier auf meiner eigenen Arbeitsplatte machen würde …

Tick tack, tick, tack …

Einige Monate später bietet uns mein Bruder eine gebrauchte Klobrille an. Der Preis und die Zahlungsmodalitäten werfen mein Schuppentier im Oberstübchen in eine eklatante Krise: Schnäppchen versus alles beim Alten lassen – wem nachgeben?! Schon schlimm, was der älteste Teil unseres Hirns so auszuhalten hat. Nicht nur das! Schließlich muss es noch seinen Kontrahenten, den Neokortex fürchten, der sich als modernes Äquivalent seiner selbst viel leichter mit Neuem tut. Wen das ganze Katz- und Maus; Hase- und Igel-Spiel von Stammhirn (entspringt dem Unbewussten) und Neokortex (Ratio) interessiert, findet bei Gabi Stratmann eine gut verständliche, anschauliche und erhellende Erklärung.

Umzingelt

Mein Stammhirn hat schlechte Karten. RiskyDad, flammender Klobrillen-Fan, macht zu allem Überfluss den Fehler, mich weder überreden noch überzeugen zu wollen. Das wäre nämlich die Chance fürs Krokodil gewesen: Meines mag keine Belehrungen und widersetzt sich reflexhaft – zumindest, wenn der Neokortex gerade pennt.

Thermomix – ja oder ja?

Ich bin keine Trend-Jägerin – aber wenn etwas für mich persönlich Sinn macht, bin ich schnell dabei. So denke ich mir: Karotten im Salat sind geil. Weißkohl auch. Leider landen diese Gemüse fast nie im Grünzeug, weil mir mein Sinn für ökonomisches Handeln – auch Faulheit genannt – im Wege steht. Wenn ich also mehr Vitamine für weniger Arbeit bekomme, könnte sich die Anschaffung des neuen Küchen-Regenten lohnen. Das Dumme: Wenn ich es nicht ausprobiere, werde ich nie erfahren, ob die Klobrille das Leben erleichtert oder beschwert. Meine Neugier gibt den letzten Ausschlag –

Feuer frei für den Thermomix, die kochende Klobrille.

Als der Küchen-Terrorist einzieht, bleibt er noch drei Wochen neben dem Hauseingang stehen. Ich fürchte, dass er mich Zeit und Nerven kosten wird – noch einen weiteren Schutzbefohlenen in unserem Haushalt und ich drehe durch. Irgendwer will immer etwas von mir und dann macht es keinen Unterschied mehr, ob eine Waschmaschine maunzt oder ein Küchenprofi nach mir quäkt. RiskyDad befreit das geduldige Küchengerät irgendwann aus seinem Papphaus und drapiert es, so prominent wie nur möglich, rechts in die Küchenecke. Mir kommt es vor, als sei es das Küchenäquivalent des Fernsehers, der in den 1990er Jahren das Wohnzimmer der meisten deutschen Haushalte dominierte. Nach etwa zwei Wochen gebe ich meinen Protest auf – es gibt schlichtweg keinen anderen sinnvollen Platz. Puristische Küche adé.




Trial & wenig error

Bis dato hatte ich RiskyDad nur Anweisungen erteilt, was er dem Ding zum Zermahlen in den Rachen werfen solle. Auf diese Weise nähere ich mich der Klobrille langsam an, vertilge ihren cremigen Pudding, esse täglich ihr zerkleinertes Gemüse. Ich habe keine Lust, mich in Bedienungsanleitungen zu verlieren, also lege ich irgendwann selbst los. Argwöhnisch drücke ich auf den dicken Knopf und schon ranzt mich das Ding an. Es piepst und blinkt, als wolle es mich so richtig in Stimmung bringen. Dann schmeiße ich meine Karotten rein – doch, die Usability von dem Teil gibt was her. Leider verstehe ich nicht, wie lange die Rüben gehäckselt werden müssen – und erhalte feinsten Karottenstaub. Ok. Scharf sind die Messer.

Thermomix – ein Despot?

Backen zählt nicht gerade zu meinen Leidenschaften – ausgenommen richtig gutes, schweres Brot. Ich zücke das Thermomix-Rezeptbuch und suche mir eins aus, das ich nach meinen Ideen abwandeln kann. Nur das Verhältnis von festen und flüssigen Zutaten sollte stimmen. Leider kippe ich die ganze Buttermilch in den Topf – macht nichts. Ich nehme einen Strohhalm und trinke so viel ab, bis die Waage das Wunschgewicht anzeigt. Ich wasche den Topf danach nicht aus, sondern werfe die Zutaten für den Pflaumenkuchen hinein, der, genau genommen, ein Pflaumen-Karottenkuchen wird . Ganz nebenbei bemerke ich, dass ich mit dem Küchenmaschienen-Klobrillen-Typen Spaß haben kann! Es unterlaufen mir wie sonst auch Pannen (ihr hättet meinen Gummikuchen letzte Woche probieren sollen, bääääh), ich kann weiterhin rumsauen und auch Merlin muss nicht am Spielfeldrand sitzen bleiben.

Die Vorteile der kochenden Klobrille Thermomix auf einen Blick

  • schonendes Garen mit Dampf
  • einfaches Zerkleinern von hartem Gemüse
  • dank Thermomix werfen wir weniger frische Lebensmittel weg
  • es gibt wirklich, wirklich tolle Rezepte, die einfach zubereitet sind
  • die Zubereitung geht oft schneller als auf dem Herd – deshalb kochen wir mehr 
  • manche behaupten kühn, das Teil sehe cool aus (Nope)
  • alle Teile (außer Messer) sind einfach zu reinigen in der Geschirrspülmaschine
  • Ersetzt bei uns den Brotbackautomaten, der genauso groß ist
  • wenn du etwas neues ausprobieren willst – der Thermomix ist ein echtes Überraschungsei

RiskyDads geheime Pläne

RiskyDad wird in Kürze bei Vorwerk das WLAN-Modul, den Cook-Key (Alter, echt, jetzt!) für den Thermomix bestellen – ich wette meinen Artikel darauf. Der betuliche Hersteller von Küchengeräten spricht von „Intelligentem Kochen„, „Guiding-Cooking“ und anderen Absurditäten. Ich werde weiterhin meine Zutaten in den Topf hauen und mich freuen, dass sie darin einfach, schnell und vitalstoffschonend garen. Vielleicht komme ich irgendwann auf den Geschmack und lasse mich von dem Vieh herumkommandieren, statt es in meine Dienste zu stellen. Sollte mir das Zeit und Arbeit sparen, könnte ich schwach werden und mich dem neuen Küchenchef unterwerfen. Eines ist klar – wenn er schreit, geht das durch Mark und Bein. Wie die Küchenuhr in unserem Herd kann ihm nur der persönliche Kontakt den Gar aus machen. Sehr schlau. Das nennt Frau Konditionierung.

Der Saurier in meinem Kopf – und im Terrarium

Gestern habe ich unsere Schildkröten beobachtet, was sie mit den Nektarinen anstellen, die ich ihnen kredenzt habe. Hilfe. Wenn dieses Reptil in meinem Schädel sich nur annähernd so bräsig verhält wie die putzigen Panzertiere, dann gute Nacht. Erst schnallen sie nicht, dass da etwas essbares liegt. Dann stürzen sie sich alle auf dasselbe Stück Obst, weil sie glauben, dass das vom Kollegen unbedingt das bessere sein muss. Kennst du? Ich auch. Oh Gott. Vielleicht hat am Ende doch diese Schildkröte in meinem Kopf gewonnen. Schließlich ist es meine unbändige Faulheit, meine Sehnsucht nach Pausen von Pausen, die mich bewegen, einem Küchengerät mein lukullisches Schicksal in den Topf zu legen. Und wenn schon. Solange ich es noch merke – guten Appetit.

Jetzt mal Töpfe auf die Küchenmaschine – wer von euch hat so ein Gerät zuhause stehen? Was macht ihr damit und was hat den Ausschlag zum Kauf gegeben? Wieso ich das wissen will? Ich bin halt furchtbar neugierig.

Eure RiskyMum Tanja

 

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Tanja Conrad

2 Comments

  1. Victoria 5. September 2017

    Kommt mir nicht ins Haus = Urzeitsaurier

    1. Tanja Conrad 5. September 2017

      Wer jetzt, es oder du? Möööp 😉

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