Re:publica mit Kind: erstes Mal, zweites Mal – gibt’s ein drittes?

#rp17 steht unter dem Motto der Liebe

#rp17 – Re:publica mit Kindern: Geht das? Wir haben es zwei Jahre ausprobiert und unsere ganz eigene Sicht auf die Berliner Medienkonferenz mitgebracht. Auch, wenn nicht alles glatt läuft – das diesjährige Konferenzmotto „Love out loud“ ist auch unseres. Warum mir der Kragen dann doch noch platzt, lest ihr im Artikel.

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Hipster-Theater #rp17

Letztes Jahr waren wir als Familie zum ersten Mal in Berlin auf der hipsten aller Medienkonferenzen – der re:publica. Dort keynotet alles, was Rang, Namen und irgendwie Reputation hat: Gute oder schlechte. Vorträge auf vielen Stages und in Hallen; Meet Ups an jeder Ecke, feinste Kaffee-Spezialitäten, wie es der Nerd und die Nerdin so brauchen. Ich selbst komme mir auf der #rp17 mit meiner uncoolen Polartec-Jacke in Entengelb, die stramm auf die sieben zugeht, weil ich sie nicht kaputt kriege, gelegentlich etwas falsch vor. Mir wächst auch kein Rauschebart (in ein paar Jahren sehe ich bei mir persönlich Chancen) und ich spreche auch nicht so angesagt wie die jungen oder im perfekt gestylten Unordentlich-Look flanierenden Hipster-Urgesteine. Was mich versöhnt – das ist hier auch nichts anderes als eine Theaterbühne und auf sowas fühle ich mich wohl.

#rp17 - überall Bärte!
Angesagte Bärte mit Medien-Männern dran (rechts: Maik Rauschke, @zwo_null)

Be prepared

Letztes Jahr warf ich mich völlig unvorbereitet ins Geschehen und am Ende kam irgendwie kaum etwas Verwertbares für mich rum – deshalb plante ich dieses Jahr meine Vorträge im Voraus via Republica-App. Natürlich lief das auf drei-, vierfach-Auswahlen hinaus, was mich wieder fünf Minuten vor Vortragsbeginn hektisch nach einer Entscheidung ringen ließ. Tja. Ein Chaot bleibt auch mit Trello, Evernote & guten Absichten vermutlich zeitlebens ein Chaot.

re:publica mit Kindern?

Im Zentrum der Haupthalle stehen die sogenannten „Affenfelsen“ – das sind aufeinander gestapelte Kunststoffkästen mit Platten darauf – wunderbare Sitz, -Liege und Arbeitslandschaft. Einer dieser Affenfelsen ist für Eltern mit (kleinen) Kindern reserviert und umschließt ein kleines, mit Teppich ausgelegtes Familienareal. Schon letztes Jahr fiel mir auf, dass dort alle mit Schuhen auf dem Teppich herum latschten.

Wir nehmen es wie’s ist

Wir haben schon 2016 das spärliche Spielangebot so gut es ging genutzt. Das bestand aus einem rar bestückten Bällebad, etwas Lego, Kinetic Sand* (den suchten wir auf der#rp17 vergebens), Büchern und einem Papphaus – das erinnerte mich stark an ein Werbegeschenk aus Nürnberg, leider ohne Lebkuchen. Merlin, 20 Monate, drehte seine Runden, spielte und hatte seinen Spaß. Dass die Steckdosen nur abgeklebt und damit nicht kindersicher waren, ist nicht optimal.

Love out loud – #rp17 favorites

Besonders berührte mich dieses Jahr die Keynote von Can Dündar, dem türkischen Journalisten, der urplötzlich als Überraschungsgast oder aus Sicherheitsgründen unangekündigt auf der Stage One erschien. Außerdem bekenne ich mich zur Schnoddrigkeit von Gunter Dueck und zolle Sascha Lobo Respekt für sein Rückgrat. Leider konnte ich seinen Vortrag nur nachhören.

Schwarzes Schaf aus Rheinland-Pfalz?

Fies fand ich Andrea Nahles. Deren Parteizugehörigkeit habe ich tatsächlich nochmal fix überprüft. Ihre lustig-dreisten Argumente gegen das bedingungslose Grundeinkommen und die fadenscheinige Alternative dazu passen eher in die rechts-konservative Ecke. Nachzulesen hier und unter #arbeitenviernull. Welch‘ Gezwitscher! Kurz: Auf der re:publica kannst du dich so richtig nach Herzenslust aufregen. Macht tierischen Spaß.

re:publica mit Kind: #rp17  noch immer super?

In risky Blogger-Mum-Funktion habe ich mich bei anderen Eltern umgehört, wie es ihnen hier gefällt. Die Antworten fielen unterschiedlich aus. Einige Mamas mit Baby waren begeistert.

Es gibt kaum so kinderfreundliche Konferenzen. Überall kommst du bequem durch. Es ist auch in den Hallen genug Platz, alle sind freundlich und bemühen sich.

Aus der Retroperspektive

Die Blogger-Kollegin Susanne Mierau (@fraumierau) von geborgen-wachsen sieht das anders. Als „alte Medien-Häsin“ hat Susanne bereits 2014 über die re:publica mit Kind geschrieben. Außerdem war sie Speakerin und konnte sich den Laden von inneren anschauen. Nachlesen könnt ihr ihre Überlegungen zur re:publica mit Kind hier. 2014 gab es demnach noch gar kein Spiel- und Verweilangebot für Kinder. 2016 hatten wir immerhin schon den Affenfelsen, der uns als Spielwiese, Wickel- und Stillplatz ausreichte. Aber – wir sind auch Camper und schrecken vor kaum irgendeiner Gegebenheit zurück. Gewickelt und gestillt wurde immer genau da, wo wir uns befanden – und das konnte auch schon mal ein Sessellift oder in der Trage sein. Susanne fragt zurecht nach Orten, wo diese intimen Momente ungestört geteilt werden können. Tja. Fehlanzeige, bis heute. Gewickelt wird nach wie vor auf der schwer zugänglichen Behinderten-Toilette.

Was ist auf der #rp17 anders?

Dieses Jahr wurde der Spielbereich inmitten des Affenfelsens kenntlich gemacht – mit Edding hat irgendwer lieb- und wirkungslos vermerkt, dass hier die Schuhe auszuziehen seien. Nun ja. Entweder hat es niemand gelesen, es interessiert die medialen Eliten nicht und / oder niemand kümmerte sich drum, dass das auch umgesetzt wird. Ich mache den Versuch und bitte die „Teuer-Beschuhten“, ihre Fußhäuser doch bitte den Kindern zuliebe auszuziehen. Ich wiederhole das ungefähr vier Mal pro Person, bis es Wirkung zeigt oder die Damen und Herren mit rollenden Augen eine Etage höher rücken. Ich staune, als das Personal, das gegen 14 Uhr einen Tisch aufbaut, der zur Kinderbespaßung dienen soll, kein Wort sagt.

Das bringt doch sowieso nichts!




maunzt eine eigentlich nette junge Frau. Ich insistiere und sie versucht halbherzig, die Mac-Gemeinde in die zweite Reihe zu bugsieren. Es ist Tag drei der #rp17 und keine Kinder in Sicht. Ein Mädel schnappt sich Merlin, um mit ihm eine motorbetriebene Putzbürste mit Federn zu schmücken. Na bitte. Wenn ich das Bastelobjekt auch etwas eigenartig finde und seinem Zweck bis heute nicht auf die Spur gekommen bin – die Bemühungen der Eltern, die Verbesserungsvorschläge vorgelegt haben, beginnen zu fruchten. Nölen und motzen hilft nichts. Vorschläge, Anregungen und Eigeninitiative sind die besten Wege, den „re:publica-nern“ in Sachen Kinderfreundlichkeit auf die Sprünge zu helfen. So übrigens geschehen auf #twitter. In den Threads unter dem Hashtag #rp17 könnt ihr die Diskussion um die familien(un)taugliche re:publica nachlesen. Und euch beteiligen, damit nächstes Jahr:

Auf der Re:publica 2018

  • mehr familienzentrierte Themenschwerpunkte auf der Agenda landen
  • ein Sponsor für Kinderbetreuung und anspruchsvollen Spielbereich gefunden wird
  • mindestens ein Ruheareal zum Wickeln, Stillen & Chillen entsteht
  • die Spielfläche mit einem unübersehbaren Schild gekennzeichnet wird
  • (Eltern-) Bloggertreffen mehr Raum erhalten
  • Was fällt euch noch ein?



Vorbilder & Sponsoren

Am Stand des Media Lab Bayern erfahre ich, dass die Allianz-Versicherung in München die Blauen Zwerge gegründet hat – Betriebs-Kitas für die eigenen Mitarbeiter nach französischem Modell. Vielleicht wäre die Allianz interessiert, bei einer derart angesagten Konferenz wie die re:publica auch für gute Familienstimmung zu sorgen? Überhaupt war der Stand des Media Lab Bayern auf der #rp17 DIE Familienanlaufstelle. Warum?

Das Bällebad war riesig und selbst ein Erwachsener ist in den Mengen von Bällen untergegangen!

Auch Lego wurde als Sponsor vorgeschlagen. Was würde es schon kosten, einen Bereich familienfein zu machen und damit einen weiteren Besucherkreis zu erschließen, der wegen des mauen Angebots zuhause bleiben muss? An dieser Stelle am besten in Susannes Artikel weiterschmöckern.

Eine Frage der Perspektive

Auch, wenn ich mich persönlich nicht besonders an der Situation gestört habe  – ich habe Familie in Berlin, die sich um Merlin kümmern kann. Wir haben nur ein Kind. Was ist aber mit größeren Familien und solchen, die besondere Bedingungen (Nahrungszubereitung, Ruhe zum Stillen, etc.) brauchen? Die Kollegin und freie Journalistin Andrea Zschocher (@Runzelfüsschen) vom Blog Runzelfüßchen hat direkt am zweiten Abend der re:publica ihrem Ärger Luft gemacht.

re:publica 2018 für uns?

Auf jeden Fall. Durch die Vorschläge vieler Eltern (-Blogger) entwickelt sich die Konferenz familientechnisch in die richtige Richtung. Klar, das Ganze geht zäh voran und läuft nicht ideal. Da fällt mir wieder die Sache mit dem Gras ein: Es wächst nicht schneller, wenn wir Eltern daran ziehen. Besser finde ich, den Konferenz-Ausrichtern weiterhin zu spiegeln, dass es ja schon ganz nett dort ist, wir aber gute Gründe und ebenso wertvolle Vorschläge haben, wie die Familientauglichkeit der re:publica auszubauen wäre. Und zwar aus der Wertschätzung heraus dafür, dass bereits etwas getan wurde. Denn: Uns schuldet niemand etwas. Frei nach dem Motto: Love out lud. Danke, #rp17

Tipps für eine entspannte Familien-re:publica

  • Nehmt für eure Kinder ein paar Lieblingsspielzeuge mit – dann seid ihr unterhaltungstechnisch auf der sicheren Seite
  • Versorgt euch mit reichlich Getränken und Essen – die Preise auf der re:publica sind pfeffrig und das Essen fettig
  • Die Brownies, die ihr hinter dem Affenfelsen erstehen könnt, sind köstlich!
  • Nehmt ein paar warme (Regen-) Sachen mit – lärmempfindliche Kinder brauchen Pausen im Hof
  • Wenn die Kinder nicht zu groß sind, finde ich eine Trage, ein Tagebuch oder eine Kraxe viel praktischer als einen Kinderwagen.
  • Macht Pausen – am besten im Café Eule im Gleisdreieck. Schon der Weg dorthin ist Entspannung pur. An einem Spielplatz kommt ihr auch vorbei!
  • die re:publica 2018 (2. – 4. Mai) fällt günstig – Mittwoch bis Freitag. Wie wäre es danach mit einem tollen Familie-Weekend zum Ausruhen?
  • re:publica für Kids & Teens – Informationen zum Kinderprogramm auf der republica
  • Am besten, ihr tragt alle leichte Schuhe, die ihr schnell an- und ausziehen könnt. 😉
  • Gebt der re:publica euer Feedback – nur so kann sie besser werden.

 

 

re:publica mit Kind – wie sind eure Erfahrungen? Was müsste sich verändern, dass ihr dort als Familie auftaucht oder welche Voraussetzungen braucht ihr mindestens für einen Besuch? Ich hätte jetzt Lust auf eine hitzige Diskussion. Anyone?

Du willst mehr Kids’n MEDIA? Mein  Interview von der re:publica mit dem Sozialpädagogen & Medienmann Maik Rauschke (@zwo_null) gibt’s demnächst im Blog!

 

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Tanja Conrad

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