Risky Week 50 – Gedanken über Anstand & warum ich viel von mir preisgebe

Risky Week 50 – Merlin beim Luciafest

Risky Week 50 – eigentlich wollte ich dieses Jahr keine Risky Week mehr schreiben. Als heute Morgen der Kamin knistert und ich die Sonne gemächlich die ersten Strahlen auswirft, ändere ich meine Meinung. Weihnachten hin oder her. Ich habe Lust, meine Woche mit euch zu teilen. Also mache ich es. So.

Heute Morgen

Montag, kurz vor sieben. Ich liege in RiskyDads Bett, der sich in den nachtdunklen und verschneiten Morgen verabschiedet hat. Ich braue mir einen deliziösen Kaffee. Im Ofen knispelt und knaspelt es, die Hunde liegen eingerollt in ihren Betten. Genau so könnte ein Märchen 2.0 beginnen. Aber es ist mein Leben. Das fühlt sich überhaupt nicht immer nach Märchen und Plüschzeit an. Es ist oft schroff, verpeilt, chaotisch und verstrickt. Selbst heute Morgen bleibe ich nicht verschont. Meine Holzauswahl ist nicht ganz optimal und so zieht der Rauch in tanzenden Schwaden statt durch den Kamin hinaus direkt in mein temporäres Paradies. Ich rege mich nicht auf, öffne das Fenster und warte, bis es aufhört.

Warten bis es aufhört – für Menschen mit chronischem Tatendrang ist das Nichtstun oft die Lösung.

Und, wie war die Risky Week 50 ?

Kurz: Ich habe viel zu viele Bücher auf dem Tisch, die noch vor Weihnachten auf eine Rezension warten. Es sind Bücher, die mich bewegen. Nicht nur, wenn ich sie lese, sondern auch, wenn ich über sie nachdenke und schreibe. Diese Woche hat mich das Buch von Axel Hacke über Anstand berührt und beschäftigt. Diesen Anstand kann ich mir nicht wie viele andere philosophische Themen durch intellektuelle Betrachtung vom Hals halten. Der Begriff Anstand betrifft und berührt mich. Wie anständig bin ich eigentlich zu meinem Partner, meinem Kind, meinen Hunden, meiner Familie, Freunden, Menschen, die mir begegnen? Die Wahrheit ist: Oft bin ich nicht sehr anständig.

Und wie anständig gehe ich eigentlich mit mir selbst um?

Tja, auch mir gegenüber zücke ich nicht selten das Messer, lasse kein gutes Haar an mir. Verurteile mich für Fehler, anstelle gnädig mit mir zu sein. Wir Menschen tragen alle, ausnahmslos, ungeheilte, chronisch blutende Wunden und Verletzungen mit uns herum. Wäre es nicht Zeit, gnädiger miteinander und mit uns selbst zu sein? Komisch, dass mir dieser Gedanke gerade in der Weihnachtszeit kommt. Es ist fast kitschig, dass ich Menschenliebe und Anstand predige, kurz bevor sich Jesus’ Übernahme unserer Sünden zum 2017-ten mal jährt. Aber es ist auch irgendwie schön.

Aha, darauf wollte die innere Stimme raus …

Ich hatte keine Ahnung, warum ich heute Morgen zu schreiben begonnen habe. Es war ein Gefühl, dass es etwas zu sagen gibt. Gefühle aufzuschreiben, geben ihnen eine neue Dimension, entwickeln sie weiter, leuchten sie aus, enttarnen sie. Das ist auch der Grund, weshalb ich viel Persönliches mit euch teile. Jedes private Detail, das ich preisgebe, hat eine Funktion: Du wirst keine Information finden, die aus reinem Selbstzweck hier steht. Wenn’s ums Profilieren geht, habe ich andere, mir nicht immer angenehme Strategien. Und genau hier endet die Information. Welche Strategien das sind, bringt das Thema nicht voran.

Einander sehen

Mitte der Woche treffe ich mich mit den zwei Frauen, die ich noch aus der Kindergartenzeit kenne. Es ist ein Nachmittag mit Gesprächen, die mich berühren, betreffen. Es geht wieder um Anstand. Um die Fähigkeit, einen Menschen so sein zu lassen, wie er ist. Ich habe kürzlich Abstand von einem Menschen genommen, mit dem ich eine nicht kleine Zeit verbracht habe. Davon habe ich den Frauen erzählt, während sich unsere Söhne um Bagger stritten und sich an den Haaren zogen. Ich habe für mich verstanden, dass die Überzeugungen und die Mentalität dieser Person auf Dauer nicht zu meiner passen. Deshalb ist sie aber nicht verkehrt!

Du bist richtig so, wie du bist

Es ist meine Herausforderung, anzuerkennen, dass ein anderer Mensch vielleicht nicht mehr zu mir und meiner Lebensweise passt. Und dennoch weder besser noch schlechter ist als ich. Ich möchte dankbar für die gemeinsame Zeit sein und den anderen in seiner Verletzung sehen und achten. Und ich bin nicht dafür verantwortlich. Puh. Das ist eine echte Herausforderung.

Ich glaube daran, dass radikale Akzeptanz dessen, was ist, eine große Quelle des Glücks ist.

Es ist mühsam, Gedanken und Gefühle ständig zu beobachten. Sie zurückzunehmen, sie neu zu denken. Seit ein paar Monaten meditiere und jogge ich wieder. Beides hilft mir, diese Fähigkeit auszubauen.

Wochenende?

Das schwedische Luciafest besuchen wir jedes Jahr. Da Merlin zweisprachig aufwachsen darf, dank seiner Wahloma Tina, gehört das für uns dazu. Merlin hält fast bis zum Ende durch, was nicht selbstverständlich ist. Das schwedische Lichtfest, das auf ältere Sonnenwendenfeste zurückgeht, ist ein langsames, im besten Sinn besinnliches Fest. Entweder Merlin klatscht zum denkbar ungünstigsten Moment mit, spielt mit seinen Autos zur Erholung oder fordert, man möge leiser singen. Ach ja, und das Dirigat der Chorleitern hat’s ihm besonders angetan …

Mal ohne Kind

Danach haben wir Merlin zur Schwedenoma und Opa Franz gebracht und sind mit den Hunden zwei Stunden durch den Olympiapark gelaufen.

Paarzeit ohne Kinder ist eine gute Investition in die Kinder.

Später tauschen wir wieder Hunde gegen Kind und fahren mit Merlin zum Familienessen. Merlin freut sich vor allem auf den Cousin. Dem habe ich übrigens zu verdanken, dass Lightning McQueen das kackige Rennauto, meine hochpädagogischen Liederbücher sukzessive verdrängt.

Brrrrummmm, muääääähhhh

Später tauschen wir ein letztes Mal und Merlin verabschiedet sich gähnend und sehr zufrieden von uns. Der schläft nämlich heute bei den Großeltern. Es ist ein riesiges Geschenk, dass die Merlin annehmen wie einen richtigen Enkel. Meine Fresse, wir haben’s wirklich gut.

Elternzeit

Zuhause zünden wir zum ersten Mal den Ofen in RiskyDads Zimmer an, machen Glühwein und zücken die Gitarre. Die Schwedenoma hat Geburtstag. Für sie wollen wir gemeinsam ein schwedisches Weihnachtslied einüben.

Wait … and gain

… und heute Morgen erfahre ich, dass wir einen Kreisverkehr in unserer Straße bekommen. Siehste, da musste ich tatsächlich nur abwarten, ohne ein Bürgerbegehren anzuschieben. Stimmt wohl, die Sache mit dem Abwarten! 😉

Mein persönlicher Chaosfaktor (von fünf ⭐️): ⭐️⭐️

Mein Plan, Projekte tageweise zu bearbeiten, geht auf. Auch, wenn ich mich im Aufwand einiger Aufgaben verschätzt haben – indem ich mir den Wecker stelle und solange an einem Task bleibe, bis der Wecker schreit, habe ich unglaublich viel geschafft. Nach einer Pause kommt dann eine neue Runde. Wer den Dingen gern Namen gibt: Das Ganze heißt Pomodoro-Technik und lässt sich gut ans eigene Arbeitsverhalten anpassen. Probiert’s mal aus, wenn ihr frischen Wind fürs Zeitmanagement braucht.

Wochenmotto?

Anstand ist kein veralteter Begriff. Er braucht nur eine zeitgemäße Politur.

Wofür ich dankbar bin?

Für die Krise, die ich gerade erlebe. Danke, dass ich wachsen darf.

Was mich traurig gemacht hat?

Dass ich es mir immer wieder antue: Ich sehe ein tolles Buch, ein neues Thema lässt mich nicht mehr los. Und schon fange ich an, die Maschine in Gang zu setzen. Dabei blende ich aus, dass auch mein Zeit- und Energieressourcen begrenzt sind. Meine Aufgabe: Lernen, im richtigen Moment Nein zu sagen. Auch zu den verlockendsten Herausforderungen.

Lieblingsmoment?

Gestern Abend vor dem Kamin, als wir das schwedische Weihnachtslied geübt haben.

So richtig peinlich?

Als ich einem Familienmitglied erkläre, dass Merlins Nachname ein anderer ist, als er auf einem Päckchen adressiert wurde und möchte, dass das in Zukunft beachtet wird. Weil wir gerade von Anstand sprechen – ich habe leider versäumt, mich vorher für das Päckchen zu bedanken.

Worauf ich mich freue?

Auf die Weihnachtstage und darauf, dass wir dieses Mal wenig unterwegs sind und uns um unser schönes Haus kümmern. Und vor allem um uns als Familie.

Kinderzitat der Woche

RiskyMum in der Kirche zu Merlin: Bitte sprich’ etwas leiser. Merlin quäkt durchs Kirchenschiff: Ich spreche doch leise! Gehört haben’s alle.

Größte Herausforderung?

Kühlen Kopf bewahren in Anbetracht der Aufgaben, die ich mir an Land gezogen habe

Tipp der Woche

Du arbeitest selbstständig oder fragst dich, wie du Aufgaben gut strukturieren kannst? Schau’ dir die Pomodoro-Technik an und adaptiere sie nach deinen Vorstellungen.

News & Ausblick

Wer es noch nicht bemerkt hat – Redaktionspläne sind im RiskyBlogwohnzimmer zwar vorhanden, aber derzeit äußerst variabel. Das wird auch noch so bleiben, bis das neue Kleid fertig ist und ich meine Kurse durchlaufen habe. Drückt mir die Daumen, dass ich nicht wieder irgend etwas Neues lernen will.

Next RiskyPost?

Mindestens zwei Rezensionen kommen die Woche noch, versprochen. Mehr werde und will ich nicht mehr schaffen. Ich halte das Rad an, damit es später voller Kraft und durchdachter Ideen weitergeht.

Die RiskyWeek verabschiedet sich für dieses Jahr – es hat mir riesigen Spaß gemacht, Erlebnisse, Gedanken und Herausforderungen mit euch zu teilen. Es hat mir geholfen, mich zu strukturieren und zu reflektieren. Vor allem hatte ich das Gefühl, mit euch in Kontakt zu sein. Euch mit der Risky Week die Grundlage für die persönlichen Artikel zu liefern, auf der ihr diese sicher besser einordnen könnt. Zum Ende des Jahres habe ich mir ein Special, das RiskyYear, überlegt. Zwölf Monate, zwölf Fotos und eine kleine Zusammenfassung und Ausblick. Habt ihr Lust?

Ich wünsche euch eine wunderbare Feier- und Ferienzeit. Und denkt auch daran, euch selbst beim Beschenken nicht zu vergessen. Danke, dass ihr mich und uns im BlogWohnzimmer besucht. Ihr bringt erst Leben in die Bude.

Habt’s gut, ihr Lieben!

Eure RiskyMum Tanja

Tanja Conrad

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