Risky Week 31 – adieu & auf geht’s ins neue Blogwohnzimmer!

Risky Week 31 – drei Kinder auf der Bank

Risky Week 31 – mit dieser letzten Ausgabe der Risky Week verabschiede ich mich in die Sommerpause. Aber nicht, ohne euch von einem Traum zu erzählen und zu verraten, wie es weitergeht mit dem Familientagebuch. Denn es geht weiter – nur anders …

Und, wie war die Risky Week 31 ?

Wir haben Besuch von Merlins Paten aus Stralsund, jaj! Die beiden landeten am Sonntag und bleiben für einige Tage. Montagmorgen werfen wir uns, Onkel und ich, in die Turnschuhe und gehen Laufen. Belohnung: Eine Runde Schwimmen im Waldbad. Merlin fährt nach dem Frühstück mit den Großeltern nach München. Wie jeden Montag darf er seine Zeit mit ihnen verbringen. Ich mache mich an die Arbeit, die anderen chillen sich unter den Feldahorn im Garten und genießen ihren Urlaub.

Zum ersten Mal halte ich mich trotz Besuch an meine eigenen Arbeitsvorgaben. Wie gut es allen tut, wenn wir klar kommunizieren, was wir brauchen, leisten können und was nicht.

Nachmittags gönnen wir uns Eis und Zeit, uns auszutauschen. Es ist viel passiert. Ein Kind in unserer Familie hat eine schwere Diagnose erhalten, was uns alle aus der Bahn geworfen hat. Ich will nicht näher darauf eingehen. Ihr sollt wissen, dass es eine schwere Zeit ist für ihn, seine Eltern und uns. Und es ist eine Zeit, die uns wichtige Lektionen lernen lässt. Wir wollen kein Drama. Ein Mensch ist keine Diagnose, er hat eine. Wir wollen den kleinen Menschen dahinter sehen, kennenlernen, wahrnehmen. Ihn fördern und unterstützen, wie wir Merlin auch unterstützen in dem, wie er ist, was er ist und wovon er träumt.

Wasserspiele

Dienstag ist bis dato der heißeste Tag des Jahres. Den nutzen wir für eine kleine Isarrunde. Merlin hat überhaupt keine Lust zu laufen und lässt sich entspannt durch die Isarauen schieben. Die Hunde baden sich kühl, wir genießen die ein, zwei Grad weniger am Wasser. Am Ende der kleinen Wanderung steht wieder ein Eis und ein sektleichter, lauschiger Abend auf der Terrasse.

Die Lust ist raus

Merlin hat langsam keine Lust mehr auf Kindergarten, es ist einfach Ferienzeit angesagt, er will “bei Mama bleiben.” Ok. Also frage ich die Paten, ob sie Mittwoch mit Merlin ein paar Stunden ins Waldbad gehen würden, damit ich arbeiten kann. Innerlich war ich bereit, auch ein “Nein” zu akzeptieren. Es ist ihr Urlaub, sie schulden mir nichts.

Seit ich anderen gegenüber meine Bitten ohne die Bugwelle der Erwartung formuliere, ist das Leben leichter geworden. Für uns alle.

Sie haben Lust und ziehen mit Merlin, Fahrrad und Schwimmkrokodil ins Waldbad. Mittags sitzen wir wieder allesamt im Garten und verspeisen Maaris Melonen-Fetasalat – den kann ich in der Hitze nur empfehlen.

Porzellan statt Schokolade

Später fahren wir nach Freising, um den neuen Unverpacktladen auszuprobieren. Merlin will weder Schokolade noch Eis: Er reckt seinen Hals nach einem Zahnbürstenhalter, den die Paten ihm schenken.

Der ist auch nicht aus Plastik, Mama!

Donnerstagmorgen verabschieden wir unsere Lieben mit einem Frühstück auf der Terrasse. Merlin ist im Naturi und ich muss erkennen, dass sich unser Haus in einem Zustand relativer Verwüstung befindet. Nein, nicht wegen der Gäste. Wir verpassen oft, Zeit und Raum fürs Aufräumen einzuplanen. Oft lassen wir einfach fallen, was wir nicht mehr brauchen, statt es an seinen Platz zurückzutragen. Das zeigt sich dann in allerlei Gerümpel, das den Gang zur Kaffeemaschine zum Spießrutenlauf werden lässt. Fazit: An dieser Stelle besteht Handlungsbedarf.

Ich habe  keine Lust, stundenlang das Leben von gestern wieder in die Schränke und Kommoden zu stopfen.

Donnerstagnachmittag verbringen wir mit meiner Freundin und ihren Kindern wieder am Wasser in Freising.  Ein lauschiges Plätzchen unter Apfelbäumen inmitten der Stadt. Dort baden nicht nur Kinder. Hornissen kommen vorbei, um zu trinken (!), Vögel brüten und ich habe das Gefühl, am richtigen Ort zu leben.

Wochenende?

Freitag nach der Arbeit fahre ich mit meiner Freundin und Sohn in den Naturkindergarten. Wir haben alles für ein Picknick dabei. Was fehlt, pflücken wir uns auf dem Biohof. Drei Stunden später geht es nachhause. Nach dem Abendessen bringt RiskyDad gleich beide Kinder ins Bett, ergibt sich so. Somit haben wir ungeplant Übernachtungsgäste.

Vertrauen

Am Samstag kommt meine Cousine mit ihrer Familie vorbei, sie sind auf der Rückreise in den Norden. Wir schmeißen den Grill an, während unsere Kinder das erste Mal allein zum Spielplatz fahren. Ein besonderer Tag, irgendwie. Auch kein Wunder, dass er das Abenteuer mit zweien seiner liebsten Buddies erlebt. Es geht uns gut zusammen. Wir haben genug Zeit und Raum, uns auszutauschen und die nötigen Updates zu machen, die weder Facebook oder Instagram können. Unsere sehr unterschiedlichen Söhne verbindet etwas, das Merlin mit keinem anderen Kind teilt.

Ich frage mich, ob Blut tatsächlich dicker ist als Wasser. Oder ob die Liebe einfach dicker ist als alles andere ist. Denn davon ist reichlich da.

Raus mit uns

Sonntag machen wir nach dem Frühstück eine kleine Wanderung in die Hallertau mit Endstation Italiener. Nachdem wir die Karawane wieder zuhause hatten, war Chillen angesagt. Um ja nicht zu verhungern, gibt’s abends Stockbrot.

Manchmal habe ich einen Bedürfnis-Konflikt.

Ich möchte die Zeit mit meiner Familie verbringen, die wenigen Stunden genießen, die wir haben. Schließlich wohnen sie viele hundert Kilometer entfernt und ich möchte teilhaben an ihrem Leben. Gleichzeitig brauche ich Ruhe und Zeit, mich auf die kommende Woche vorzubereiten. Ich will gar nichts tun, flexibel sein, für mich da sein.

Um beides haben zu können, muss ich mir und anderen gegenüber sehr klar sein. Ich ziehe mich immer wieder zurück, um dann die gemeinsame Zeit genießen zu können. Dieser Umgang ist neu für mich. Und sehr entlastend.

Any news?

Ich hatte es letzte Woche schon angedeutet – wir haben eine Entscheidung getroffen, die uns die nächsten Jahre begleiten wird, sollte sie sich als machbar erweisen. In We are Family könnt ihr lesen, dass wir davon träumen, nochmal für eine Zeit durch die Welt zu reisen. Der Plan beginnt sich zu konkretisieren und zu adaptieren– wir könnten uns vorstellen, in ein paar Jahren ein Ferienhaus in Schweden zu kaufen. Darin würden wir nicht nur allein und mit uns wichtigen Menschen freie Zeit verbringen, sondern es auch vermieten. Schuld hat Kurt Wallander. Kennt ihr den schwedischen Inspektor? Er bewohnt in der Verfilmung von Mankells Krimi ein Haus am Meer, eingerichtet in einfachem Midcentury-Style. Here we go, Inspirationsquelle. Damals dachte ich:

So möchte ich leben, so möchte ich mich fühlen!

Für Merlin wäre es ein Traum, am See oder Meer aufzuwachsen, die Sprache sprechen zu können, die ihm seine Schwedenoma beigebracht hat, seit er zwei Wochen alt war. Und es ist unser Traum, ein langsames, einfaches Leben zu führen. Vielleicht tun wir uns mit anderen zusammen, vielleicht bleiben wir irgendwann ganz in Schweden? Zuerst einmal kümmern wir uns um unser Haus hier in Deutschland und um den Raum in unseren Köpfen. Den braucht es, um Muße und die “schwedische Langsamkeit” überhaupt aushalten zu können. Und bis zu meinem 50. Geburtstag, den wir in diesem Häuschen feiern wollen, sind es noch ein paar Jahre.

Es ist nichts in Stein gemeißelt. Aber es ist eine Idee. So, wie der Kohlrabi eine Idee war, bevor er vorgestern seine ersten Blätter aus dem Hochbeet streckte.

Größte Herausforderung?

Freundlich bleiben. Die Hitze, innere Konflikte, Reibungen – es fällt mir nicht immer leicht, meinen Mitmenschen gegenüber freundlich zu bleiben, gewaltfrei zu kommunizieren. Mir bewusst zu sein, dass mir selbst schon fast alles passiert ist, was ich bei anderen kritisiere, ist eine große Herausforderung. Und sehr entlastend. Wenn’s denn klappt.

Learning der Woche?

Selbstständig zu arbeiten bedeutet, der Arbeitszeit Priorität einzuräumen. Trotz Unlust, Besuch oder einer spontanen Einladung will ich, dass der Laden läuft. Natürlich kann ich umschichten und mir ungeplant einen Tag frei nehmen, wenn ich abwäge und bewusst entscheide. Ich habe viele Jahre gebraucht, das zu verstehen. Oft habe ich mich verpflichtet gefühlt, mit meinen Gästen Zeit zu verbringen, ihnen die Umgebung gezeigt, für sie gekocht. Heute ist es anders. Ich eruiere im Vorfeld, was ich leisten kann und kommuniziere das. Ergebnis: Wir hatten eine tolle Zeit und Merlins Paten viel Raum, ihren Urlaub bei uns nach ihren Wünschen zu gestalten. Check!

Mein persönlicher Chaosfaktor (von fünf ⭐️): ⭐️

Chaos hat sich diese Woche nicht blicken lassen (den einen Stern gibt es für die Unordnung). Ich hatte gut geplant und bin meinen Listen ohne Hast und innerem Druck gefolgt. Kleine Anpassungen und Änderungen ohne Reue gaben dem Ganzen die Dynamik, die ich brauche, um mich wohl zu fühlen. Genau. Ich brauche keinen Stress, kein Chaos. Ich brauche Dynamik und eine gewisse Plastizität in meinem Leben, um mich wohl zu fühlen. Chaos ist niemals plastisch. Es kaum biegsam, nicht geschmeidig und bringt selten guten Ertrag. Noch ein Leaning in dieser Woche!

Risky Week 31 – Wochenmotto?

Nachsicht und Großzügigkeit mit sich selbst und anderen ist eine gute Investition ins Glück.

Wofür ich dankbar bin?

Auf Spiekeroog gab es so einige Verwicklungen. Ich bin so glücklich, dass ich das alles für mich und mit denen, die es betraf, klären und viel neue Erkenntnis daraus ziehen konnte.

Konflikte sind nur wirklich aufreibend, wenn wir sie im Prozess ihrer Entstehung unterdrücken, statt sie zu fühlen und zu lösen. Denn dann können sie um Ergebnis ein Geschenk sein.

Was mich traurig gemacht hat?

Wilma hat am Mittwoch wieder einen dicken Muskelkater von der Fluss-Action am Vortag. Das Gute: War schnell vorbei.

Lieblingsmoment?

Merlin parkt morgens, während er noch schläft, seine kleine Hand auf meiner Schulter.

Worauf ich mich freue?

Ich freue mich aufs Campen mit einer Freundin. Und auf das kommende Wochenende mit meiner Familie!

#MerlinsWelt

Meine Mama kann auch guten Kuchen backen. Sie hat aber keinen Bock.

Tipp der Woche

Habt ihr eine Terrasse oder einen Balkon? Dann packt doch einfach mal eure Bettdecken, eine Luft- oder anderer Matratze und schlaft unter dem Sternenhimmel. Letzte Woche haben wir es ausprobiert, diese Woche haben Merlin und seine Schwedenoma unter freiem Himmel geschlafen. Aber Achtung! Wer sowas mit kleinen Kindern macht, muss mit Folgen rechnen: a) Sie werden es immer wieder wollen, in wechselnder Besetzung; b) Sie werden dich nach Sternbildern ausfragen, von denen du womöglich keinen Ahnung hast (also ich habe noch keine 😉 ).

News, Ausblick & Lesestoff

Bevor ich mich endgültig in die Sommerpause verabschiede, warten noch ein Rezept (Montag), eine Rezension mit Verlosung  (Freitag) und ein Reiseartikel (nächste Woche) auf euch. Vor allem mache ich mich in den kommenden acht Wochen ans neue Layout mit neuer Menüstruktur. Ab Oktober gibt es dann einen Newsletter, über den uhrweiter die Risky Week beziehen könnt.

Ein Familientagbuch ist etwas sehr persönliches. Nicht zuletzt mithilfe eures Inputs habe ich mich deshalb für ein neues Format entschieden. 

Vorgestern bemerkte eine Leserin, dass ich in der letzten Zeit wenig Konkretes berichte. Hm, so unterschiedlich sind die Wahrnehmungen. Ich kann beides nachvollziehen. Meine Wahrheit ist: Ich bin noch immer am Experimentieren. Es geht mir darum, euch von unseren Erkenntnissen, Learnings und unserer Entwicklung zu erzählen. Was hilft uns, miteinander zu wachsen, was lernen wir aus Konflikten, wie entstehen die überhaupt? Wie können wir uns von den Mustern der eigenen Kindheit lösen, um bewusst neue Wege zu gehen? Was machen Begegnungen mit uns, wie treffen wir Entscheidungen auf welcher Grundlage?

Danke

Ich bin euch sehr dankbar für das Feedback. Mir ist klar, dass die Risky Week ein ausbaufähiges Format ist, das noch kein klares Profil hat. Und genau darum geht es mir tatsächlich auch in der Familie. Wir sehnen uns nach Verbindung, gewaltfreier Kommunikation und innerer Heilung. Nach Frieden und Leichtigkeit. Manchmal gelingt es uns, manchmal nicht. So ist es auch mit der Risky Week. Sie ist in ständiger Entwicklung, die, wie auch unsere, gelegentlich in eine Sackgasse mündet. Vermutlich wird sie so wie wir nie ein endgültiges Format haben, sondern weiterhin den Prozess abbilden, den wir wie viele von euch durchleben. Diese Risky Week ist die letzte ihrer Art. Nach dem “Blog-Relaunch” gibt es sie als Newsletter. Seid ihr dabei?

In diesem Sinn wünsche ich euch einen wunderbaren Sommer mit vielen Erkenntnissen, Zeit und Raum, sie zu sortieren. 

Eure RiskyMum Tanja

Tanja Conrad

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