Risky Week 30 – RiskyMum goes Carmen!

RiskyWeek_30 – Carmen

Risky Week 30 –  diese Woche habe ich mehr Zeit auf der Bühne verbracht als im Bett. Und das nicht selten im strömenden Regen. Was mir geholfen hat, mich auf meine Rolle als Carmen einzulassen und wie ich meine Aufregung in den Griff bekommen habe? Und wo war Merlin?

Und, wie war die Risky Week 30?

Schon Sonntagnachmittag war klar: meine Freundin, die die Rolle der Michaela singt, fällt für die gesamte Spielzeit aus: Fahrradunfall. Auch, wenn sie noch Glück hatte – mit gebrochenem Schlüsselbein und Fuß hüpft niemand mehr über eine Felsenbühne. Ersatz traf am Mittwoch ein – die dritte Einspringerin.

Endprobenwoche

Wegen des Dauerregens auf der Naturbühne Greifensteine mussten wir einige Male auf die Probebühne ausweichen. Auf kleinem Raum und ohne Technik (wir spielen mit Orchester vom Band, auf das wir uns vollständig einstellen müssen) ist das keine gute Alternative. Wir können die langen Wege nicht proben, keine Kondition aufbauen. Die letzten großen Proben sind dazu da, Schwierigkeiten aufzudecken, Gänge zu optimieren und das eigene Spiel mit der Musik, den Kollegen und dem Setting zu verbinden. Erst daraus entsteht Theater, Zauber, Kunst.

Romantik oder Frust?

Die erste Probe im Kostüm fiel gleich am Montag ins reichlich vom Erzgebirgshimmel fallende Wasser. Am Dienstag sah es auch nicht besser aus – allerdings bestanden wir darauf, dem Regen nicht auszuweichen und weiterzuspielen. Auch, wenn das nicht gerade meinem Lieblingssetting entspricht – es hatte etwas magisches. Den Regen empfand ich nicht mehr als störend, er war einfach da und ich wurde nass. Aber ich durfte singen, gemeinsam mit meinen Kollegen musizieren, ausprobieren, etwas entstehen lassen. Ja, das klingt romantisch und war es auch in diesem Moment. Wenn sich diese Art von Romantik allerdings über Wochen oder Monate hinzieht, kann daraus Frust entstehen.

Recreation

Auch, wenn wir mittlerweile drei Einspringerinnen sind, der Regen die Kontrolle übernommen hat und der Intendant und Regisseur neben der Carmen ein weiteres Stück betreut – wir Darsteller lassen uns die Stimmung nicht versauen. Spaziergänge zwischen den Proben, gemeinsames Kaffeetrinken und spontane Einkehr in den großartigen Annaberger Kartoffel-Keller besänftigen angespannte Nerven. Außerdem gönne ich mir zwei Coaching-Sitzungen via Skype. Gemeinsam mit Saskia John arbeite ich an der Repräsentation des inneren Kindes, verbinde mich in Visualisierungen mit der Bühne, den Kollegen und dem Publikum; erde mich fortwährend. Das übe ich täglich mehrere Male, zuhause und auf der Bühne. Wenn dich das Thema “Inneres Kind” interessiert, kann ich dir zwei Bücher empfehlen: Aussöhnung mit dem inneren Kind* und das entsprechende Arbeitsbuch* dazu.

Ready, steady – ups

Am Donnerstag findet dann um 18 Uhr die erste Kostümprobe statt. Um Mitternacht wissen wir dann, wo es hakt und es hakt oft und viel. Dank meines Coachings verlassen mich weder Lust noch Nerven, ich bin selbst überrascht. Am Freitag ist der Himmel blau, wir proben morgens und wuppen die Generalprobe. Wieder Mitternacht – und so viele Unklarheiten wie Sterne am Himmel. Zum ersten mal spielen wir unter Original-Bedingungen – es ist dunkel, wir sehen nur noch ein kleines, rotes Licht, mit dem uns der Dirigent durch Nacht und Musik leuchtet. Sein Gesicht verschwindet im Dunkel der erzgebirgischen Nacht und damit die kostbaren mimischen Hilfen. Ich versinge, vertanze und verhasple mich. Für meinen Geschmack eine zu klassische Generalprobe. Um zwei Uhr morgens falle ich endlich ins Bett.

Und was macht Merlin?

Merlin bekommt von alledem nichts mit. Er geht in die Kita und sein Papa, unsere Nachbarin und Freundin Claire und die Schweden-Oma kümmern sich um ihn. Dafür möchte ich euch allen danken. In solchen Situationen spüre ich, dass ich reich bin, sehr, sehr reich.

Was gab’s am Wochenende?

Am Samstag bin ich ziemlich müde. Lange schlafen funktioniert nur bedingt – dieser innere Kinderwecker tickt und schreit auch ohne Merlin zuverlässig. Ich gehe frühstücken und lese das Interview, das ich der Freien Presse letzte Woche gegeben hatte – die Journalistin-Kollegin hat gut zugehört! Später besorge ich Toi-Toi-Geschenke und gehe üben. Um 14 Uhr dreißig stehen ein kleiner und ein großer Mann plötzlich auf der Probebühne – meine Männer! In diesem Moment weiß ich:

Ich schaffe das heute Abend!

Premieren-Geschenk

Wenn die Sonne auf die Basaltsäulen der Greifensteine scheint und den kleinen Talkessel in zitronenfarbenes Gelb taucht, erinnert das an einen Heiligenschein. Einen, der wärmt, Kraft gibt und dessen Flirren die Aufregung im Solarplexus zähmt. Wie immer ist die Maskenzeit die schönste, denn dort arbeiten die coolsten Weiber der Welt. Es ist so, wie vor fünf Jahren, als ich zum letzten Mal auf der Griefensteinbühne stand. Heute bin ich etwas leiser als sonst, konzentriert. Der finale Kaffee vor Vorstellungsbeginn gibt den entscheidenden Kick – aber es ist nicht das Koffein, das wirkt,  sondern die Liebe.

Die Lust zum Spielen bringt’s

Ich gehe auf meinen Turm, schicke mein inneres Kind liebevoll von der Bühne, erde und verbinde mich mit der Location, den Kollegen, dem Publikum. Keiner will mir etwas. Dieses Gefühl von Verbundenheit ist ein seltener Gast, der mich durch diesen Abend trägt und mich mein Bestes geben lässt. Ich habe nicht viel Kraft, bin müde. Aber ich habe Lust zu spielen. Merlin und RiskyDad sitzen im Publikum. Um 20 vor elf schläft er ein in Papas Armen. Vielleicht ist es ganz gut, dass er Mama für’s erste nicht sterben sieht.

Der Zauberer und der Kater

Ich kann es selbst kaum glauben – wir haben es geschafft. Das beste aus den Gegebenheiten gemacht. Wir feiern bis vier Uhr morgens – um acht pustet mir ein kleiner Zauberer ins Ohr, der sich weder um Premieren noch um Risky Mama-Kater schert. Der Glückliche! 😉

Coming home, leaving home

Den Sonntag verbringen wir im Tierpark auf dem Annberger Pöhlberg, retten ein Kaninchen und essen uns die Bäuche rund – die Greifensteine haben mich schließlich fünf Schreibtischkilos gekostet! Am Nachmittag geht’s nachhause in die Hallertau. Wie es weiter geht für mich? Ich lasse mir Zeit anzukommen, nachzufühlen und mich neu zu sortieren. Denn nach diesem Gastspiel ist nichts mehr wie vorher. Was das genau bedeutet, zeigt die Zeit.

Mein persönlicher Chaosfaktor (von fünf ⭐️): Ich fühle mich trotz der Umstände so aufgeräumt wie selten. Aber einen ⭐️ gibt es doch!

Wochenmotto?

Die Komfortzone ist nur dazu da, überwunden zu werden – das Paradies wartet dahinter.

Wofür ich dankbar bin?

Für meine Kollegen und für die Unterstützung meiner Familie

Was mich traurig gemacht hat?

Ach, das behalte ich diese Woche für mich.

Lieblingsmoment?

Wiedersehen mit Merlin & RiskyDad

Worauf ich mich freue?

Auf die zweite Vorstellung & meine Kollegen

Zitat der Woche?

Mama, nicht im Auto singen! Du sollst auf der Probebühne singen! (Merlin, fast drei Jahre)

Tipp der Woche

Kommt zu Carmen auf die Greifensteine! In der Risky Week 29 findet ihr einige Tipps für euren Familienaufenthalt im Erzgebirge, die richtigen, greifenstein-erprobten Wanderschuhe für den Sommer gibt es hier*, die Vorstellungs-Termine hier und wer wissen will, was die Presse zu “unserer Carmen” zu sagen hat, wird hier fündig.

Ausblick & News

Ich freue mich, wieder mehr für meinen Blog, mein Studium und meine Familie da zu sein. Dennoch – die Musik hat mich wieder. Es ist meine Aufgabe, ihren Platz in meinem Leben neu zu definieren, ihr Raum, Zeit und Zuwendung zu geben. Zu Studienzeiten meinte meine Pianistin:

Kaum jemand oder etwas ist so eifersüchtig wie die Musik.

Ob das wirklich stimmt? Ich werde es herausfinden. Auf meiner Website erfährst du mehr über mich als Sängerin.

Diese Woche kommt noch der versprochene Artikel über Merlins erste Erfahrung mit dem Tod. Gebt mir noch ein bisschen Zeit, bis ich wieder mit Kopf und Herz angekommen bin – dann geht’s los.

Eure RiskyMum Tanja

Wie war deine Risky Week 30? Was war das Highlight deiner Woche?

 

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Tanja Conrad

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