Risky Week 27 – Gurkenkompass

Merlin und sein Freund an der Isar

Risky Week 27 – ich kann, darf, will nicht sagen, was mich die letze Woche in tiefe Traurigkeit und Angst stürzte. Aber ich möchte euch erzählen, was dieses Gefühl mit mir machte, wie ich damit umgehe und warum Gurken gute Tröster sind.

Und, wie war die Risky Week 27 ?

Am Montag lernte ich, dass Merlins Herz eher für Gartencenter als Spielzeugläden schlägt. Ich war froh, dass ich mit 2 Euro 50 für einen rotköpfigen Kaktus davon gekommen bin.

Am Mittwoch ist Merlins Husten so prominent, dass ich ihm einen Tag Auszeit vom Naturkindergarten gönne. Wir  bleiben zuhause, Merlin malt, wir lesen und singen. Ja, meine Arbeitszeit ist knapp, meine Arbeitslust dagegen weit bemessen. Beides passt nicht zusammen. Den Friedensrichter macht in der Angelegenheit die Akzeptanz dafür, dass ich mich für ein Leben mit Kind und ein Zweit- und Drittstudium entschieden habe.

Gegen die Konsequenzen anzukämpfen, bringt nichts, außer zusätzlichen Energieverlust.

Den Mittwochnachmittag verbrachten wir in Freising an der Isar. Dort treffe ich mich manchmal mit meinen schlauen Freundinnen und ihren Kindern. Vorher wollte Merlin bei dm einen Badeanzug haben. Wie in Der Junge mit dem blauen Kleid nachzulesen, stehe ich Experimenten in Bezug auf Geschlechteridentität offen und neugierig gegenüber. Dieses rosa-hellblaue Ding hätte ich allerdings nicht mal meiner nicht vorhandenen Tochter an den Leib gewünscht. Also atmete ich tief durch und versuchte das innere Stop-Schild von der Größe einer Kinoleinwand zu ergründen. Ich km zu keinem Schluss und fragte Merlin, ob er es sich nochmal überlegen wolle.

Ich schwöre: Wenn er es beim dritten Mal noch haben will, kaufe ich das Teil. Und ich bin bereit, gegebenenfalls Tränen zu trocknen. Oder mich überraschen zu lassen.

Der Nachmittag war ganz zaubervoll. Die Hunde hatten ihren Spaß, die Kinder, die Mütter. Ein gutes Gefühl, allen entsprochen zu haben. Hach …

#undercutungeplant

Am Donnerstag tat ich alles, um Merlins Mähne vor der drohenden Abholzung zu bewahren. Er hat es schon angekündigt: Die Haare sollen ab. Ich zeigte ihm allerhand hübsche Frisuren, denen eins gemein war: Irgendwo hätten wir noch einen Zopf machen können. Leider habe ich den Trick ohne den Zauberer gemacht, der sich was ganz anderes aussuchte. Na gut. Dann halt Mister Cool im rosa-hellblauen Badeanzug.

 

Wie versprochen – tataaaaaaa: vorher und nachher. #undercutungeplant Ein Beitrag geteilt von NoRisk. NoMum. (@norisknomum) am

Wochenende?

Am Freitag bekam ich gleich zwei Geschenke und viel zum Nachdenken. Mein Interview für die nächste Reportage war überraschend aufschlussreich und angenehm. Ich möchte mit klugen, beseelten Menschen arbeiten. Dieser Interview-Partner war eben ein solcher. Und meine Freunde waren überraschenderweise zuhause. Ich bekam ein, zwei, ich geb’s zu, drei Stück Pizza unter dem Apfelbaum kredenzt. Da fiel es nicht mehr ins Gewicht, dass ein Freund den letzen Termin des Tages absagte.

Manchmal hilft der Blick in den Kalender …

Seit einigen Monaten wache ich morgens spätestens um 6 Uhr 30 auf. Ich koche Kaffee und setze mich zum Zeitunglesen und 6-Minuten-Tagebuch-schreiben auf das kambodschanische Sofa in der Küche. Jeden Morgen, meistens schon ein wenig früher. Manchmal liegt ein Hund auf meinem Schoß und ich genieße die Stille. In diese Stille mischte sich am Samstag ein plötzlicher Gedanke: War heute nicht Erlebnistag im Naturkindergarten? Well, meine Freundin bestätigte und ich machte den Jungs Dampf unter die Kessel.

Ich fragte mich, ob in irgendeiner Ecke meines Herzens eine Prise Lust auf dieses Erlebnis gäbe und wurde fündig.

Zum Glück hatten wir Merlin sowieso bei einer Freundin untergebracht (Danke an dieser Stelle!). Das traf sich bestens! Anstatt RiskyDads Büro für den Umzug fertig zu machen, erlebten wir einen Tag im Naturkindergarten. Morgenkreis, Natur- und Frühstücksgruppe; Tier- und Pferdegruppe.

Wer die Möglichkeit hat, seinem oder ihrem Kind den Besuch eines Natur- oder Waldkindergarten zu ermöglichen, sollte das in jedem Fall in Erwägung ziehen. Der Mehraufwand und die kürzeren Betreuungszeiten sind ein kleiner Preis für dieses Geschenk. Vorausgesetzt, Konzept und Betreuungsteam stimmen.

Am Samstagnachmittag erreichte mich eine Nachricht, die mein und vor allem das Leben geliebter Menschen nachhaltig verändert hat. Bitte habt Verständnis, dass ich sie und uns schütze. Bitte fragt nicht nach, lasst es einfach so stehen.

Der Gurkenkompass

Neben Spekulationen, Überlegungen und Tränen ist viel Liebe in mir.

Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als die Dinge so annehmen zu können, wie sie sind. Nicht drehen, manipulieren oder heil machen zu wollen. Nur so komme ich ihrem wahren Kern näher.

Ich bemerke, dass ich den Rest des Wochenendes nichts so oft tue, wie die kleinen Gurken im Hochbeet zu zählen. Immer, wenn mich die Traurigkeit packt, schleiche ich auf die Terrasse zu meinen Gurken. Manchmal entdecke ich eine neue, die sich gerade aus einer zitronenfarbenen Blüte schiebt. Ich freue mich daran, dass sie wachsen, dass es ihnen gut geht. Und ich habe Tränen in den Augen, wenn ich daran denke.

Es ist wie der Versuch, ein Stückchen Kontrolle und Normalität zu bewahren. Eine Strategie, nicht vom inneren Pfad abzukommen. Es ist ein wenig wie greifbare Meditation.

Es wird noch lange dauern, bis ich dem Neuen seinen Platz in meinem Leben einrichten kann, denn den wird er brauchen. Es ist jetzt nichts mehr wie vorher. Vor allem schätze ich nicht nur meine Gurken wert, sondern alle und alles, die und das mich umgibt. Danke auch euch, dass ihr da und ein Teil meines und unseres Lebens seid.

Größte Herausforderung?

Die Trauer zuzulassen, die ich seit Samstag im Nacken spüre

Mein persönlicher Chaosfaktor (von fünf ⭐): ⭐⭐⭐⭐

Der Samstag hat Chaos in mir gestiftet. Aber auch Gewissheit, Wahrheit und Liebe. Ich nenne es Katharsis.

Wochenmotto?

Änderung und Wechsel sind ewig des Menschen Los.

Wofür ich dankbar bin?

Ich bin dankbar für meine Familie und Freude

Was mich traurig gemacht hat?

traurig trifft es nicht

Lieblingsmoment?

Ich behalte ihn für mich

Worauf ich mich freue?

Ich freue mich auf einen Ausritt am Strand

Kinderzitat der Woche

Mama, das ist ein Spielzeugauto. Das kann nicht alleine wegfahren!

Tipp der Woche

Habt ihr ein Morgenritual? Nein? Probiert es mal aus. Mir hilft es zu wissen, aus welchen drei Teilen mein Morgen besteht. Ich muss mich nicht mehr entscheiden, keine inneren Dialoge führen und keine Ausreden mehr suchen. Ich gehe einfach auf die Yogamatte, das Meditationskissen und ans Klavier. Punkt. Selbst wenn ich dann mal nicht mehr viel schaffe – mit dem Morgenritual habe ich immer das Gefühl, meinen Tag genutzt zu haben.

Lesestoff?

Letze Woche habe ich euch unser ultimatives Pastagericht mit einem südafrikanischen Sugo neu aufgelegt, inklusive Rezept zum Download. Mehr war leider nicht drin.

News & Ausblick

Kommende Woche geht es auf die Nordseeinsel Spiekeroog. Dort freuen wir uns auf eine Portion Urlaub und die Reportage-Recherche.

Habt eine gute Zeit, ihr Lieben.

Eure RiskyMum Tanja

Risky Week 27 – Tanja im Gewächshaus des Naturkindergartens
Solange unsere Gurken noch wachsen, pflücke ich welche im Naturkindergarten

 

Tanja Conrad

Was denkst du darüber?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>