Merlins Kita Abschied: Kindergarten, ich komme!

Abschied Kita – Merlin und Katharina

Kita-Abschied – vor lauter Arbeit und privater Turbulenzen haben wir ihn gar nicht bewusst kommen sehen. Merlin wird ab September ein Bärenhöhlenkind sein. Mit anderen Betreuerinnen, anderen Kindern und ganz sicher einem anderen Lebensgefühl. Was das mit uns macht, worauf wir achten können, damit der Wechsel sanft und kindgerecht gelingt, erzählen wir euch hier – und von den Dingen, die wir hätten besser machen können. Inklusive Wechsel-Checkliste!

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Ein besonderer Freitag …

Dieser Freitag ist anders als die vielen Freitage vorher, an denen ich meinen Jungen von der Kita abgeholt habe. Heute ist es das allerletzte Mal, bei dem mich Merlin als Kita-Kind mit ausgestreckten Ärmchen empfängt. Und es ist auch das letzte Mal, dass Katharina, seine Bezugsbetreuerin, mir kleine Geschichten von meinem Sohn erzählt. Es sind solche, die selbst das kälteste Herz schmelzen lassen.

Wer bin ich, wo bin ich?

Mit einem Bein stehe ich noch auf der Naturbühne Greifensteine, auf der ich vor drei Wochen kurzfristig in die Proben für Carmen eingestiegen bin. Meine Premiere liegt kaum eine Woche zurück, ich bin noch irgendwo im Niemandsland – zwischen Opernsängerin und Elternblogger-Mama-Journalistin. In dieser Hitze trifft mich dieser letzte Kita-Tag wie ein Eimer kaltes Wasser. Wo ist denn die Mama geblieben, die jeden Entwicklungsschritt genau überdenkt, so bindungsorientiert wie möglich handelt? Diese Mama hatte offensichtlich Urlaub. Mehr dazu liest du in meinem Artikel In mir wohnt eine kinderlose Frau.

Angekommen

Plötzlich bin ich nüchtern, bin wieder gelandet im Hier und Jetzt. Ich versuche, den Abschied, so gut ich kann, wahrzunehmen. Merlin tobt mit seinem Freund Kristof wie immer durch den Garten, verschleppt das Sandspielzeug, um es kurz danach mit Katharina aufzuräumen. Diese Minuten geben mir einen winzigen Teil der verpassten Vorbereitungszeit, um mir klar zu werden, was hier gerade geschieht, was es für uns alle bedeutet.

Katharina, die Große❤️

Katharina, ein kleines bisschen Mama für Merlin, war der Grund, warum wir unseren Sohn nicht früher im Naturkindergarten angemeldet haben. Abgesehen von einem akzeptablen Betreuungsschlüssel von 1:5 (Krankheiten und andere Umstände verschlechtern diesen chronisch, da mache ich mir keine Illusionen) wog Katharinas liebevoller Umgang mit Merlin und die sichere Bindung, die sie miteinander eingegangen waren, schwerer.

Mein Junge war hier bei den drei wichtigsten Kita-Erzieherinnen wunderbar aufgehoben. In jeder Hinsicht.

Auch, wenn ich manches nicht teilte – Merlin wird zuhause zum Bespiel nicht angehalten, sich zu bedanken, er tut es von selbst, wenn wir es vorleben – in der Kita wird das verlangt. Ich habe den Frauen dennoch vertraut. Merlin darf erleben, dass Menschen unterschiedlich sind, unterschiedlich Prioritäten setzten. Zuhause gilt nach wie vor: Beziehung statt Erziehung.

Kita Abschied – ein Ende will gefühlt werden

All das geht mir durch den Kopf und vor allem das Herz, als ich Merlin und Katharina beobachte, wie sie einen vorbeifahrenden Traktor begrüßen, die Hunde streicheln und zum letzten Mal kuscheln – zumindest in dieser Konstellation. Wenn ich an diesen Moment denke, kommen mir immer noch die Tränen. Ja, er wird sie immer wieder sehen, ja, und sie wird Merlin auch noch viele Male auf den Arm nehmen. Aber den Abschied, die Endlichkeit zu durchfühlen, das darf, das muss für mich sein. Das Ende von etwas will gewürdigt, anerkannt werden. Auch, wenn ich für den Kita Abschied subjektiv schlecht vorbereitet war – er ist dennoch gelungen.

Nährboden Wertschätzung

Wir verabschieden uns, nachdem wir einander sicher zehn mal umarmt haben. Gegenseitige Wertschätzung gehört zum Wunderbarsten, das ich kenne. Wir haben immer über alles offen gesprochen, Meinungsverschiedenheiten und Ärger benannt. Ich spüre, dass wir das gut gemacht haben. Auch das ist der Stoff, aus dem eine sichere Bindung zwischen Betreuer/in und Kind entstehen kann.




Klare Sache für den Zauberer!

Zuhause hole ich meine Hausaufgaben nach und befrage Freundin und RiskyDad, wie das Abschiedsfest der Kita war, las das Heft, das wir mitbekommen hatten. Ich erfuhr, dass Merlin schon einige Mal drüben in der Bärenhöhle zu Besuch war. Für ihn ist das eine klare Sache:

Claire, ich bin bald ein Bärenkind!

hat er zu meiner Freundin gesagt, während sie eines Morgens in die Kita fuhren.

Vertrauen ist nicht einfach da – es kann wachsen

Wir haben darauf geachtet, dass Merlin in eine bestimmte Gruppe mit einer entsprechenden Erzieherinnen-Konstellation kommt. Vertrauen ist kein Gut, das ich anderen Menschen vorbehaltlos entgegenbringe – wenn es um die Betreuung von und den Kontakt mit meinem Sohn geht. Es ist etwas, das wächst, Nahrung erhält oder sich manchmal gar nicht entwickelt. Auch die Art des Umgangs mit Meinungsverschiedenheiten kann eine vertrauensbildende Angelegenheit sein – wenn ich sehe, dass ein anderer Mensch mit Konflikten konstruktiv umgeht, gibt mir das Sicherheit – Sicherheit, dass mein Sohn gut aufgehoben ist.

Einmal eingewöhnt, immer eingewöhnt?

Mit Merlin spreche ich nun täglich darüber, dass er bald nicht mehr mit Kristof, Katharina und den anderen Kindern und Betreuerinnen in einer Gruppe sein wird. Auch, wenn ich überzeugt bin, dass er das versteht, schließe ich die Möglichkeit nicht aus, wieder eine Art Eingewöhnung machen zu müssen. Zwar kennt er die meisten Kinder und Betreuerinnen, dennoch kann auch den sicheren, klugen Merlin die Angst und der Verlust der anderen Gruppe überrollen. So gut kenne ich die neuen Betreuerinnen noch nicht, sodass ich sicher sagen könnte, dass sie  mein „Kind schon schaukeln“.

Autorität in Bindungsfragen

Das Elterngespräch mit den beiden Betreuerinnen der Kita und ein entsprechendes mit den neuen Betreuerinnen kann ich erst nach den Ferien führen. Ich nutze die Zeit bis dahin, mich adäquat vorzubereiten. Es ist nicht so, dass ich aus allen Wolken fiele und im völligen Kindergarten-Dunkel tappte – ich habe gerade ein Sachbuch zum Thema gelesen – das vierte der Reihe Bindungspsychotherapie von Karl Heinz Brisch: Kindergartenalter*.

Herr Brisch ist für mich eine Autorität in Bindungsfragen; er ist nicht nur als Forscher aktiv, sondern arbeitet klinisch-empirisch. Über den von ihm entwickelten Kurs „Sichere Ausbildung Für Eltern“, den ich auch praktisch absolviert habe, folgt im Herbst ein Artikel. Wer sich für Bindungsfragen interessiert und keine Angst hat, mit der eigenen Kindheit konfrontiert zu werden, hält mit dem Buch einen persönlichen Schatz in der Hand. Heben muss den dann jeder für sich.

Tipp: Die Bücher sind vor allem für Fachleute gedacht – aber wer sollte Fachfrau- und Mann sein, wenn nicht wir Eltern? 

Checkliste Kita Abschied –  auf geht’s in den Kindergarten!

  • Auch, wenn euer Kind noch nicht trocken ist – eine staatliche Kita darf es deshalb nicht ablehnen! Mehr zum Trockenwerden liest du hier.
  • Für Kindergartenkinder, die die Einrichtung schon kennen, ist ggf. auch eine Eingewöhnung nötig – am besten, früh genug darüber informieren!
  • Sprecht mit den zukünftigen Betreuerinnen und Betreuern – euer Bauchgefühl weiß, ob es die richtigen für euer Kind sind.
  • Seid achtsamer beim Abschied, als ich es war – feiert ihn vielleicht zuhause oder mit anderen Eltern und Kindern.
  • Sprecht viel mit dem neuen Kindergartenkind über die Veränderung.
  • Es macht einen riesigen Unterschied, ob das Kind innerhalb der Einrichtung wechselt, eine neue besucht oder zum ersten Mal fremdbetreut wird – bitte haltet euch an das Berliner Modell. Auch, wenn euch anderes erzählt wird!
  • Schließt euch mit anderen Eltern zusammen, nutzt deren Erfahrungen, tauscht euch aus – das bietet eine gute Grundlage, den Übergang fließend zu gestalten.
  • Es kann helfen, zwei Freunde gemeinsam von der Kita in den Kindergarten wechseln zu lassen – es ist gut, wenn jemand oder etwas vertrautes bleibt. Für die Kinder, die das mögen, kann auch ein Kuscheltier hilfreich sein.
  • Sucht auch zwischendurch das Gespräch mit den Betreuern und Betreuerinnen (ich hoffe, ihr habt Männer in der Kita, wir leider nicht!) – mir hat der kontinuierliche Kontakt, die Nachfragen und kleinen Gespräche beim Abholen, guten Kontakt (Vertrauen!), wertvolle Informationen und Freude gebracht. Ich habe viel von den Frauen gelernt und mein Wissen weitergegeben, zum Beispiel über Babyzeichensprache.

Keine Wahrheit, nur Gedanken

Jedes eurer Kinder ist so einzigartig, wie die Kitas und Kindergärten, die es im Laufe ihres Kinderlebens – vielleicht – besucht. Niemand kann genau sagen, was gerade für eure Familie der richtige Weg ist. Das einzige, was für uns alle gilt – liebevolle und achtsame Begleitung in die erste oder zweite Fremdbetreuung ist die beste Voraussetzung, dass der Kindergarten ein Ort der Geborgenheit werden kann. Mit diesen Gedanken bringe ich meinen großen kleinen Jungen Ende August in die Kita, von der aus er dann feierlich in den Kindergarten umzieht.

Habt ihr auch ein Kind, das demnächst in Kita oder Kindergarten geht? Wie geht es euch damit? Lasst mir einen Kommentar da, ich freue mich auf eure Gedanken und Meinungen.

 

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Tanja Conrad

2 Comments

  1. Claire 9. August 2017

    Liebe Tanja,
    sehr schön und informativ geschrieben – waren wir doch live dabei! 😉 Leider wird Kristof Ende August (noch) nicht mit Merlin in die „Bärenhöhle“ umziehen, aber ich hoffe, dass es dieser Sandkasten-Freundschaft keinen Abbruch tut. Merlin hat Kristof sicherlich den Einstieg in die KiTa-Zeit sehr erleichtert. Danke für Deine unbedarfte, ganz natürliche und selbstverständliche Hilfe, kleiner Merlin! Wir wünschen Dir alles Gute für Deinen Einstieg in das Leben eines Kindergarten-„Bärenkindes“!
    Liebe Grüße

    1. Tanja Conrad 9. August 2017

      Liebe Claire,

      freut mich, dass dir der Post gefallen hat. Manchmal hilft mir das Aufschreiben einfach, Situation für mich zu ordnen: Viel Erkenntnis entsteht beim Schreiben selbst, indem sich Recherche und Erlebnis zum Artikel verbinden.
      Deine Nachricht gebe ich natürlich an den Zauberer weiter – der schläft jetzt erstmal und ich haue in die Tasten. Bis die beiden Jungs sich wiederhaben, im Kindergarten oder Schönegger Naturkindergarten, ganz gleich, wird nicht mehr ewig dauern. Ich freue ich schon auf unsere NatureBoys!

      Bis bald!

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