Gärtnern mit Kindern – ab ins Hochbeet!

Gärtnern mit Kindern – vom Samen bis zur Frucht

Gärtnern mit Kindern – für uns war ein kleines Hochbeet der perfekte Einstieg. Du möchtest dir auch eine Gemüseoase auf Balkon, Terrasse oder im Garten schaffen? Nichts leichter als das! Selbst wir, einst bekennende Garten-Analphabeten, konnten mit selbst gezogenen Pflänzchen und Hochbeet-Baukasten ein Gemüsegärtchen zaubern. Im Artikel erzähle ich, wie das geht. Und ich verrate, wie aus uns Gartenmuffeln echte Beet-Junkys wurden. Inklusive vieler Tipps & Tricks für eine reiche Ernte.

Gärtnern mit Kindern – auch die Freude dran braucht Zeit zum Wachsen

Wenn ihr erwartet, dass ich euch fach-frauisch und mit begeisterten Worten die Wonne stundenlanger Gartenarbeit preise – Fehlanzeige. Ich durchwandere die Natur mit Leidenschaft. Sobald ich sie allerdings umgraben soll, entwickle ich nicht selten psychosomatische Ausprägungen massiver Unlust. (Tanja, 2017)

Zwei Lehrer: Merlin & Gerald Hüther

Tja, so klang das vor drei Jahren, noch bevor die erste Ernte eingefahren war und mich Landlust, Permakultur und plastikfreies Leben komplett gekapert haben. Mein Zaubersohn Merlin begann früh, meine Comfort Zones zu untergraben. Ich kam tatsächlich auf den Gedanken, gemeinsam mit ihm und seinem kleinen Freund ein Hochbeet anzulegen.

Im Garten wächst mehr, als man ausgesät hat. (Aus England)

Auch der Neurowissenschaftler Gerald Hüther hatte Anteil an meiner Entscheidung. Von ihm lernte ich, dass Kinder profitieren, wenn sie Verantwortung übernehmen, sich um etwas kümmern dürfen. Und sie lernen, Dinge und Lebewesen respektvoll zu behandeln. Ich wollte teilhaben an diesen wunderbaren Erfahrungen und sie nicht vollständig an den Naturkindergarten outsourcen.

Gärtnern mit Kindern soll Spaß machen

Vor allem aber könnte das gemeinsame Gärtnern ja vielleicht auch Spaß machen, dachte ich damals. Gerade für eine Brainworkerin wie mich, die das Spielen erst wiederentdeckt, war das ein guter Anfang. Um mich langsam ans Gärtnern mit Kindern zu gewöhnen, entschied ich mich erstmal für ein kleines Hochbeet.

TIPP Bereits im kommenden Frühling bekam unser Anfänger-Hochbeet ein Geschwister. Aus alten Brettern und Paletten haben wir uns ein fast quadratisches Hochbeet gebaut. Später kamen Paletten-Rahmen* zum Einsatz, die wir übereinander gestapelt und mit Folie ausgeschlagen haben. Für uns die ideale Lösung. Wie sowas am besten geht, findet ihr in dieser Anleitung zum Bau eines Hochbeets.

Gärtnern in der Kiste mit Kindern – aber in welcher?

Wir entscheiden uns für ein Hochbeet, dessen Holz bereits auf Wasserbasis behandelt ist und nur noch zusammengeschraubt wird. Am besten gefiel uns das Hochbeet Floralis*. Preis-Leistung scheint auf den ersten und ist auch auf den zweiten Blick perfekt. Alle nötigen Schrauben und auch die wasserdichte Folie, mit dem das Hochbeet ausgeschlagen wird, werden mitgeliefert. Auf der linken Seite kannst du ein Tischchen hochklappen, um Utensilien abzustellen. Das ist super praktisch, wie auch die extra Ablage unter dem Beet. An manchen Stellen ist das weiche Tannenholz etwas abgesplittert. So what. Wir ölen es regelmäßig, das passt.

TIPP Wenn du Plastik vermeiden möchtest, könntest du anstatt Folie Kokosmatten* verwenden. Die Matten schützen das Holz allerdings nicht optimal. Dennoch sind sie, zumindest was den Rohstoff selbst betrifft, die ökologisch vertretbarere Variante.

Schrauben für Papa?

Merlin schraubt die teakholz-farbenen Bretter und Leisten mit Papa zusammen. Er darf den Akkuschrauber* (geiles, rosa Teil!) selbst halten und staunt, wie leicht die Schrauben im Holz versinken. Natürlich könnte ich das auch machen – vielleicht ist es für einen Jungen wichtig, solche Dinge auch mal mit einem Mann zu tun. Mehr Gedanken zum Rollenbegriff mache ich mir im Artikel Der Junge mit dem blauen Kleid.

Kinder gärtnern – in Schichtarbeit!

Nachdem das Hochbeet innerhalb einer halben Stunde (!) fertig montiert ist, schlagen wir es mit der Folie aus. Das Beet füllen wir mit einem Drittel Gartenschnitt (Äste, Tannenzapfen, Blätter, Grasschnitt etc.). Wer keinen Garten hat, findet diese Zutaten in jedem Wald oder Park. Darauf kommt ein weiteres Drittel biologischer Küchenkompost. Der enthält neben Obst- und Gemüseresten Eierschalen, Kaffee- und Teesatz. Achtet darauf, dass wirklich alles biologisch ist – zumindest, wenn es euch wichtig ist, Bio-Gemüse zu ernten.

TIPP Benutze für den Kompost besser kein Obst oder Gemüse, das nicht in unseren Breitengraden wächst. Südfrüchte zum Beispiel kann unser mitteleuropäischer Boden nicht ohne Weiteres zersetzen. Ihm fehlen dazu die entsprechenden Enzyme. Dass sich das durch die Klimaerwärmung verändert, ist eine andere Sache.

Gärtnern mit Kleinkindern im Hochbeet – das Finish

Das letzte Drittel besteht aus circa 80 Litern biologischer Hochbeet-Erde oder selbstgemachter Komposterde. Die lockern und wässern die Kids eifrig, bevor wir die Setzlinge einpflanzen. Schon im März haben wir sie im Minigewächshauserfolgreich gezogen.

Gärtnern mit Kind geht auch nachhaltig

Wer es nachhaltig mag: diese Gewächshäuschen bekommst du günstig über Kleinanzeigen. Oder du greifst einfach auf Eierpappen als Anzucht-Schälchen zurück. Mit keimfreier Aussaat-Erde gefüllt sind sie eine plastikfreie Alternative. Neben den Gurken und Tomaten haben wir noch zwei Paprika-Setzlinge im Gartencenter erstanden. Heute züchten wir unsere Gemüsepflanzen selbst aus getrockneten Tomaten-, Paprika- und sogar Chili-Samen des Vorjahres.

TIPP Nicht alle Gemüsesorten sind sich grün im Hochbeet. Wir haben zwei Jahre gebraucht zu verstehen, warum Gurken und Tomaten zwar lecker im Salat sind. Nebeneinander wachsen wollen sie aber auf keinen Fall. Die richtige Bepflanzung zu beachten und sich schlau zu machen, spart definitiv Zeit. Und viel Frustration!

Wer bepflanzt das Hochbeet?

Nachdem die Kinder mit unserer Hilfe die Setzlinge eingepflanzt haben, kommt das Schönste: Gießen! Da es heute heiß ist, dürfen sie das Beet ordentlich wässern. Am meisten Wasser landet allerdings auf dem Kopf der anderen Kids. Größere Kinder können die empfindlichen Pflänzchen sicher schon selbstständig aus den mit Zellstoff umwickelten Erd-Pads lösen – für unsere Zweijährigen haben wir das übernommen.

TIPP Ihr könnt den Kindern den Bezug zwischen Pflanzen und Gemüse ganz einfach plausibel machen: Während ihr das Hochbeet aufbaut und befüllt, können die Kinder das Gemüse, das sie bald ernten werden, aus einer Schale naschen. Das motiviert und gibt tollen Gesprächsstoff.

Gärtnern mit Kindern – die richtige Ausrüstung

Die Hauptzutat fürs Gärtnern mit Kindern ist Spaß an der Sache. Ihr braucht weder die hipste Outdoorkleidung noch feinstes Gartengerät. Die Nachwuchsgärtner*innen genießen die gemeinsame Zeit, das Werden, Graben, Pflanzen und Ernten. Gießkanne und eine kleine Schaufel hatten wir sowieso schon. Ab 4 Jahren lohnt sich eine kleine Investition – zumindest, wenn die Gemüse-Feen und -zauberer so richtig Feuer gefangen haben. Folgendes Equipment empfehle ich euch aus meiner 4-jährigen Erfahrung mit Gartenkindern:

Diese Ausrüstung ist sinnvoll

Erfolgserlebnisse – welches Gemüse wächst garantiert?

Es gibt ein Gemüse, das kaum jemand am Gedeihen hindern kann: Radieschen. Da die nicht unbedingt zu den Lieblingsgemüsen von Kindern gehören, würde ich sie nur zum Erfolgscheck pflanzen. Nach 6 Wochen sind sie erntefein. Milde Sorten wie Vitessa landen durchaus auch mal im Kindermund. Tomaten sind dagegen bei fast allen Kids beliebt. Wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, holt euch Setzlinge aus der Gärtnerei oder online, z. B. von Beetfreunde.

Gut gelingen auch:

  • Kohlrabi
  • Möhren
  • Salat.

TIPP Wenn ihr zwischendrin Schnittlauch, Targetes und Ringelblumen pflanzt, schützt das euer Gemüse vor Schädlingen und sieht wunderschön aus. Um eure Ernte in spe vor Sonne und den Eisheiligen zu schützen, könnt ihr sie mit Grasschnitt, Laub oder gehäckselten Holzschnitzen mulchen. Dabei bedeckt ihr die Erde dünn mit dem jeweiligen Material. Und sollten sich Nacktschnecken an euren Schätzen vergreifen, dann hilft nur allabendlich gegen 21 Uhr einsammeln und dem Nachbarn übern Zaun werfen. 😉

Hochbeet und Garten für Kinder – was  beachten?

  • Bereits kleine Kinder ab circa 2 Jahren haben Freude am Hochbeet. Auch, wenn sie das Konzept vielleicht noch nicht verstehen – auspacken, in der Erde wühlen und gießen macht fast allen Kindern Freude. Und das Gefühl, etwas selbstständig zu erschaffen, spüren auch schon die Kleinen.
  • Es macht Spaß, mit mehreren Kindern zu arbeiten. Bei einem kleinen Beet wie unserem ersten kann es schnell zu Rangeleien kommen. Drei Kinder sind das Maximum, wenn ihr als Eltern nicht in Stress geraten wollt. Gilt natürlich nicht für die mit Drahtseilnerven! 😉
  • Überlegt euch genau, wo das Hochbeet stehen soll – gefüllt ist es zu schwer, um es zu repositionieren. Außerdem kann es dadurch instabil werden. Sonnige Plätze sind natürliche 1. Wahl.
  • An die Garten-Legastheniker, wie ich es war: Haut einfach rein. Die spezielle Hochbeet-Erde ist entsprechend angereichert, sodass ihr wenig falsch machen könnt.

Fazit zum Gärtnern mit Kindern – habt Geduld

Ich weiß aus eigener Erfahrung – auch Leidenschaften brauchen ihre Zeit zu reifen und sich zu voller Blüte zu entwickeln. Wenn eure Kinder die ersten paar Samen angestrengt mit zitternden Fingerchen im Setztöpfchen versenkt haben, wollen sie vielleicht viel lieber wieder schaukeln oder Steine sammeln. Macht nichts! Das ist wie mit dem Aufräumen. Wenn wir es ihnen geduldig vormachen und sogar schaffen, etwas Freude dabei zu haben, machen sie es eines Tages nach.

Warum Gärtnern mit Kindern hilft, einander besser kennenzulernen

Kinder finden ihren persönlichen Zugang zum Gärtnern. Möglicherweise unterscheidet sich der von unserer romantischen Idee, miteinander etwas zum Leben zu erwecken. Es gemeinsam zu nähren und zu beschützen. Auch das macht nichts. Durchs Gärtnern mit Kindern lernen wir unsere Töchter und Söhne besser kennen. Was mögen sie besonders? In der Erde wühlen, Steine oder Äste sammeln oder das Beet bunt bemalen? Wo kommen wir zusammen, an welcher Stelle ergänzen wir uns?

Gemeinsam Gärtnern, gemeinsam wachsen

Ich bin immer wieder erstaunt, wie uns die gemeinsame Zeit im Garten verbindet. Manchmal unterbrechen wir die Arbeit durch ein kurzes Spiel oder die Kinder bestehen auf ihr Recht, ihren eigenen Interessen nachzugehen. Am Ende lernen wir und wachsen – gemeinsam mit dem Gemüse im Hochbeet.

Ich bin so froh, dass ich mich damals für das Experiment Gärtnern mit Kindern entschieden habe. Es ist zum festen Bestandteil unserer Nachmittage und Wochenenden geworden. Sobald das vierte Hochbeet gestaltet ist, kommt die bienenfreundliche Nährholzhecke dran. Was ist zur Zeit euer grünes Lieblingsprojekt? Wir wünschen viel Spaß beim Ausprobieren, Scheitern, Lösungen finden und  – Ernten. 😉

Alles Liebe, ihr Frühlingskinder! 

Eure RiskyMum Tanja

Anything else?

Möchtest du noch mehr übers Gärtnern mit Kindern lesen? Was interessiert dich am meisten? Plastikfrei oder bienenfreundlich gärtnern, eine Kräuterspirale bauen oder ein Testbericht zu den nachhaltigsten Gartenhelfern? Lass es uns wissen. Wir schreiben ja für dich!

Service – unsere Buchempfehlungen zum Gärtnern mit Kindern

Unser Geheimtipp für Garten-Eltern (klug, witzig & voller Rezepte):

Du möchtest noch mehr Green Parenting direkt ins Postfach?

Her mit den neuesten Artikeln!

Merke: Wenn du ein Produkt über einen Affiliate-Link (mit * gekennzeichnet) kaufst, erhalten wir einen Centbetrag, dir entstehen keine Mehrkosten. Danke für deine Unterstützung.

Tanja Conrad

Nach 20 Jahren auf der Theaterbühne wurde ich Mutter und studierte Journalismus und Medienmanagement. Heute schreibe ich u. a. für Der Spiegel als freie Kultur,- Reise- und Gesundheitsjournalistin. Ich arbeite als Konzertsängerin und singe mit Kindern. Meine Keynotes, Workshops und Fortbildungen zum Singen mit Kindern richten sich an Eltern und Pädagog*innen. Meine Leidenschaft: Familie, Schweden, Hunde, Yoga, Green Living, Camping.