Freundinnen

Freundinnen. Was sie mir bedeuten und warum ich nicht mehr ohne sie sein will, erkenne ich eines Abends, als wir überlegen, noch einmal weit weg zu ziehen. Was mir dabei klar wird, davon erfahrt ihr in meiner Ode an die Freundinnen. Ein Brief an euch.

Hej, ihr Weiber meines Lebens!

Vor einigen Wochen stand im Raum, dass wir vielleicht noch einmal ausreißen, so richtig lange, so richtig weit weg, solange Merlin noch nicht in der Schule ist. It’s Adventure time! Wie immer bin ich Feuer und Flamme, doch nach dem Blick auf die Weltkarte beschleicht mich ein seltsames Gefühl. An jenem Ort zu leben hieße, ich würde euch, meine Freundinnen, kaum noch sehen. Sicher, ihr seid allesamt reise- und abenteuerlustig. Aber was ist mit unseren spontanen Treffen in München, Berlin oder Hamburg, nur für einen Tag, einen Abend oder eine durchzechte Nacht? Zum ersten Mal in meinem Leben traut sich ein Nein aus der Deckung:

Ohne euch, meine Freundinnen, will ich dauerhaft nicht sein.

Die Gefühle überraschen mich. Wäre es Schweden oder sogar Russland – innerhalb eines Tages wäre ich bei euch oder ihr wäret bei mir. Anders in diesem Fall. Eine lange, teure Reise würde uns voneinander und der Freude trennen, die ich empfinde, wenn ich Zeit mit euch verbringen darf.

Ich wundere mich manchmal, dass ihr mich, die Klugscheißerin und Querulantin mit deutlichem Hang zum Chaos in eurem Leben willkommen heißt. Ich fühle mich von euch in meiner ganzen Widersprüchlichkeit akzeptiert.

Heute möchte ich euch danken – danken dafür, dass jede von euch Unmengen an Farben in mein Leben trägt, mir die Brille der Illusionen und Vorurteile abnimmt, mich schonungslos hinterfragt und auch mal spontan eine Pizza backt, wahlweise gegen Heißhunger oder Liebeskummer. Manche von euch erklären mir mitten in der Nacht geduldig die Zusammenhänge eines chromosomalen Defekts, andere beweisen Engelscharen-Geduld bei der Herausforderung, mir WordPress näherzubringen. Und ihr wandert mit mir auf Berghütten und trinkt mit mir Zweigelt. Bis zum Umfallen. Einige von euch sind so alt wie meine Mutter, andere keine Dreißig.

Ich mag auch die, die mir sagen, ich solle mich nicht einmischen. Und die, mit denen ich streiten kann ohne Angst zu haben, ich könnte sie verlieren.

Freundin Verena

Ich habe Freundinnen in meinem Leben verloren. Meine erste Freundin ist vor mehr als zehn Jahren durch einen Autounfall ums Leben gekommen. Sie hieß Verena. Durch Verena habe ich gelernt, wie sich tiefe Freundschaft anfühlt. Ihretwegen kann ich schätzen, was ich an euch habe. Und ich weiß, dass keine von euch ersetzbar ist. Auch das lehrte mich Verena.

Auswandern – ja, nein, vielleicht?

Letzte Woche habe ich mein Dilemma mit einer von euch geteilt. Und sie hat mir geholfen. Sie ist, wie ihr alle, eine kluge Frau. Ich könne die Reise „als Projekt sehen“ und nach ein, zwei Jahren zurückkehren. Tja. Freundinnen geben Dingen und Situationen Namen. Und alles, was einen Namen hat, macht weniger Angst. Freundinnen sind wie ein Kompass, an dem ich mich ausrichten kann, ohne mich zu verbiegen. Freundinnen geben Alternativen. Und Freundinnen helfen, wenn du die dritte Nacht nicht geschlafen hast, weil dein Kind oder dein Hund  krank ist. Freundinnen finden die Schatten unter deinen Augen lustig und nicht hässlich. Und es gibt keinen Stich ins Herz, wenn sie dich darauf ansprechen – sondern ein Kribbeln im Solarplexus, weil sie sich wirklich für dich interessieren.

Ohne Freundinnen? Never.

Freundinnen, das seid ihr. Und egal, wie pathetisch die Worte klingen, für mich sind sie wahr. Ob wir Deutschland wirklich verlassen, ist so wahrscheinlich wie unwahrscheinlich. Die Überlegung ergab zumindest einen guten Lehrer. Und diesen Brief an euch. Vermutlich warte ich nicht mehr, bis ihr euch für einen Besuch bei mir anmeldet, sondern lade euch spontan ein. Zu oft habe ich in meinem Leben gewartet und dann war es zu spät. Mit euch, meinen Freundinnen, wird das nicht passieren. Neuseeland sei Dank.

Eure Tanja

Schöne Links zur Frauenfreundschaft:

Wie wichtig sind euch Freundinnen? Und wann habt ihr einer Freundin das letzte Mal einen Brief geschrieben? Freundschaft fühlt sich für jede (n) anders an – ich in gespannt auf eure Meinungen und Erlebnisse mit euren Freundinnen.