Baby und Hund – so erlebt ihr einen entspannten Start

Baby und Hund

Baby und Hund – ist das überhaupt Thema, wenn die Schwangerschaft zum Lebensmittelpunkt wird, sich alles um Erstausstattung, Namensfindung und Elternzeit dreht? Ich finde, ja. Der neue Mensch wird die Familienstatik auf den Kopf stellen, nichts ist mehr, wie vorher. Und was ist mit dem Hund? Wo und wie ist sein neuer Platz im Rudel? Wie wir unseren Start entspannt gestaltet haben lest ihr hier – inklusive Tipps vom Profi.


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Kinderkram

 

Whiskey Tausendschön ist fast selbst noch ein Baby, als Merlin zur Welt kommt. Dennoch ist sie keine „leichtgängige“ Hündin, die sich wie ein Retriever oder Labrador unkompliziert ins neue Familiengefüge einfinden würde. Wir sind uns sicher – Mama Wilma und Whiskey brauchen nicht nur weiterhin Zuwendung, sondern neue Regeln, damit’s klappt mit der neuen Familienstruktur.

 

Wir holen uns Unterstützung

 

Wie immer suchen wir Rat bei unserer Hund-Mensch-Trainerin Sabrina Rahtgens. Sie hat uns durch einige knifflige Erziehungsgefälle manövriert – Whiskey ist ein Herdenschutzhund-Mischling. Zwar ist sie nur halb so groß wie ihre Vorfahren, dafür mit deren Kompetenzen und daraus resultierenden Schwierigkeiten ausgestattet. Sie verteidigt, was das Zeug hält, ist territorial und in Kombination mit ihrer Schnauzer-Mama zuweilen ein Pulverfass. Wir möchten kein Risiko eingehen.

 

Baby und Hund: Entscheidungen treffen

 

Relativ schnell ist klar, dass wir die ersten vier bis sechs Wochen ohne Hunde verbringen wollen. Wir möchten Merlin alle Aufmerksamkeit schenken und den Tieren nicht signalisieren, dass sie abgemeldet sind. Möglicherweise würden sie das Defizit unserer Aufmerksamkeit mit Merlin verknüpfen und ihn negativ belegen. Also reisen Wilma und Whiskey lange vor dem Geburtstermin nach Braunschweig bzw. Stralsund.

 

Unser Plan für Baby und Hund

 

Noch während der Schwangerschaft erstellen wir eine „Marschrute“ für die Rückkehr unserer zwei vierfüßigen Familienmitglieder. Jetzt schon werden beide von Sofa und Bett verbannt, Privilegien entzogen. Mehr dazu liest du hier in meinem Porträt von Sabrina. Sie bekommen ihre Streicheleinheiten nun am Boden. Damit möchten wir sicherstellen, dass sie nicht zu Merlin auf Sofa oder Bett springen. Sie sollen ihn im besten Fall ignorieren. Dass die Praxis an diesen Regeln nagen wird, dürfte klar sein 😉 .Weitere nützliche Tipps findet ihr hier (Martin Rütter, DOGS Hundeschule Wien).

 

Tabuzonen

 

Wir überdenken außerdem die Tabuzonen. Wobei – mehr als Küche und Bad hundefrei zu halten, macht auf nicht mal 60 Quadratmetern keinen Sinn. Nach dem Umzug wird dazu noch das Kinderzimmer zur Tabubzone erklärt. Da wir Merlin nie mit den Hunden allein lassen (immer dran denken: Hunde sind im Grunde ihrer Schmuseherzen Raubtiere!), kann er dort unbehelligt spielen. Ein Türgitter* sorgt für die letzte Portion Sicherheit.

 

Fun, fun, fun

 

Sabrina empfiehlt uns, die Hunde zu streicheln, sie mit Leckereien und Spielen zu verwöhnen, sobald Merlin anwesend ist. So entsteht bei ihnen eine positive Verknüpfung mit dem neuen Familienmitglied, das sie umgekehrt auch als Eindringling wahrnehmen könnten. Schließlich ist der kleine Mensch eine ernstzunehmende Konkurrenz!

 

Hunde haben Rechte!

 

Wie für die Hunde wird es auch für Merlin, wenn er etwas älter ist, Regeln geben. Auch er hat die Grenzen der Hunde zu respektieren. Primaten machen halt Sachen, die Caniden niemals verstehen, höchstens großmütig ertragen:

Wieso, zur Hundehölle, umarmen uns Menschen, schießen ohne Vorwarnung von hinten auf uns zu und halten das auch noch für eine freundschaftliche Geste?!




Manchmal schlucke ich selbst. Arglos, gedankenlos und voller Liebe schlinge ich meine Arme um Whiskeys Hals und sie … knurrt mich leise an. Ich beobachte die Interaktion zwischen Wilma und Whiskey seit Jahren. Oft habe ich gesehen, dass Whiskey ihrer ranghöheren Mutter durch Knurren mitteilt, dass sie etwas nicht mag. Wilma hört sofort mit einer übertriebenen Maßreglung oder einem anderen, für Whiskey unhöflichen Verhalten auf. Das ist faszinierend und lehrt mich, meinen Tieren gegenüber Respekt zu zeigen und sie nicht für meine Untergebenen oder unreflektierten Befehlsempfänger zu halten.

Diese Beobachtungen helfen mir, ein Gefühl für die neue Familienstatik zu entwickeln. Ich bin gespannt, wie praktikabel meine Ideen sind.

 

Welcome back, Wilma!

 

Wilma kommt nach sechs Wochen zurück nachhause. Sie freut sich sehr und ist erstaunlich entspannt mit dem Winzling, der in die kleine Dachgeschosswohnung eingezogen ist. Sie interessiert sich für ihn, hält aber respektvoll Abstand und wenn wir kurz abgelenkt sind, verteilt sie großzügig Hundeküsse. Das ist für Wilma, einer Dackel-Schnauzer-Mischung, keine Selbstverständlichkeit. Sie ist, wie mancher Schnauzer, kein Kinderfan. Mit der Zeit und guten Erfahrungen (am besten schon während der Schwangerschaft für erfreulichen Kontakt mit Kindern sorgen!) ist sie milder geworden. Außerdem hatte sie eine tolle Zeit mit ihren „Paten“ in Braunschweig, ist ausgeglichen und zufrieden.

Für das Zusammensein mit Kindern ist es wichtig, dass Hunde ausgelastet und gut beschäftigt werden. Ansonsten können sich aufgestaute Energien und Frustration auch mal am Kind entladen.

 

Raus mit uns

 

Während der Schwangerschaft habe ich mit meinen Weibern täglich Fahrradrunden im Olympiapark gedreht. Für drei Wochen hatte ich auch Whiskeys Schwester und Kontrahentin Hexe dabei. Puh, sowas hält fit. Als Merlin zwei Monate alt war, lege ich ihn in den Chariot-Fahrradanhänger* und los geht’s mit den Hundedamen. Meinen Chariot-Testbericht findest du hier. Wenn ich Merlin in der Trage habe, spielen wir Frisbee mit den Hunden. In dem Fall müssen mir die zwei die Scheiben* zwar gegen die Gewohnheit in die Hand geben, aber dem Spaß tut’s keinen Abbruch. Dich interessiert Hundefrisbee? Dann habe ich ein tolles Buch* und eine DVD* für dich.

 

Whiskey hat’s nicht leicht

 

Problematischer ist Whiskeys Rückkehr nachhause. Obwohl sie Kinder viel mehr zu mögen scheint als Wilma, macht ihr die neue Situation zu schaffen. Sie läuft verwirrt durch die Wohnung, hechelt, leckt sich übers Mäulchen. Sie hat Stress. Unser Problem: Wir können einander in der kleinen Wohnung kaum ausweichen – auf Dauer ist da unhaltbar.

 

Wir machen Fehler

 

Innerhalb drei Wochen gewöhnt sie sich an die Situation. Allerdings gibt es immer öfter Ärger mit ihrer Mutter. Sicher liegt es auch daran, dass wir missverständliche Signale senden. Wegen des Schlafmangels und der Anpassung an die neue Situation, die noch lange nicht abgeschlossen ist, ist das kein Wunder. Wir beschließen, dass Andreas die Hunde öfter mit ins Büro nimmt – manchmal beide, manchmal nur eine. Das entschärft die Lage und bedeutet mehr Aufmerksamkeit für die Hunde.

 

Whiskey, das Wölfchen …

 

Sobald Whiskey den kleinen Jungen akzeptiert hat, beginnt sie, ihren Job ganz vorzüglich zu machen: Sie verteidigt Merlin vor Eindringlingen (unsere Familie & Freunde), maßregelt ihn, wie es die Tanten in der Wolfsgruppe zu tun pflegen und ist damit ein ganz vorbildliches Hilfswölfchen. Als Familienhund allerdings ungeeignet. Ohne Sabrina und ihre schlüssigen Erklärungen hätten wir vielleicht aufgegeben. Mit ihrer Hilfe finden wir zu einem respekt- und liebevollen Umgang, der allen Bedürfnissen gerecht wird.

 

Nach zwei Jahren dicke Freunde: Baby und Hund

 

Merlin ist jetzt über zwei Jahre alt und weiß, dass er nicht in die Körbchen gehen darf, die Hunderute und auch sonstiges Hundehaar für ihn Tabu ist. Das interessiert ihn nicht immer und wir passen akribisch auf, dass er den Damen nicht zu nah auf die Pelle rückt – das mögen sie gar nicht. Allerdings gilt das auch andersherum: Wenn Whiskey ihm mal wieder einen Keks klauen oder ihm übers Gesicht schlecken will, schiebt er sie energisch bei Seite und ruft aufgebracht:

Tabu, Whiskey, schieb ab!

Kurz: Es läuft bei uns mit Baby und Hund. Die drei lieben einander, spielen gemeinsam unter Aufsicht. Für Merlin sind die Hunde nicht nur Freunde, er lernt auch, gut für andere (Wesen) zu sorgen, Rücksicht zu nehmen und Freude daran zu haben. Vermutlich gibt es kein Rezept, wie es für Mensch-Hund-Familien funktioniert – dennoch glaube ich, dass es Regeln gibt, die sich aus der menschlichen und hündischen Natur ableiten. Die versuchen wir zu befolgen. Mehr dazu erfährst du hier. Für alle Reiselustigen gibt es unsere Serie Hund an Bord mit Infos rund ums Reisen mit Hund. Wer von einer gemeinsamen Elternzeit mit Baby und Hund träumt, wird vielleicht hier inspiriert: Wir waren fünf Wochen mit unserem Bulli, Baby und Hund in Skandinavien.

 

Welche Erfahrungen habt ihr mit Baby und Hund gemacht? Hattet ihr einen guten Start und was hat euch geholfen? Oder wartet ihr gerade auf euer Baby, während ihr eurem Hund die Ohren krault? Teilt eure Gedanken, Fragen, Ideen mit uns, wenn ihr mögt – via Email oder Kommentar.

Tanja Conrad

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