Blogger Event – keine Angst mehr um meine Bohne

Blogger Event Big Blog München

Blogger Event, Medienmesse & Co – ich bin bekennendes Blogger Greenhorn mit allen Facetten, Farben und Schattierungen von Berührungsangst. What?! Jemand, der seit Jahren auf der Bühne steht, die Klappe in Gesellschaft nicht zu bekommt, fürchtet sich vor der Spezies Nerd? Ich erzähle euch eine persönliche Geschichte und berichte von meiner ersten Blogger Konferenz. Die und kluge Sätze meiner Blog-Mentorin verändern meine Perspektive. Nicht nur ein bisschen. 

Blogger Event – Prolog

Neulich las ich einen Artikel über Mobbing meiner Freundin Sabrina. Völlig unvorbereitet stehe ich wieder da mit meinem Blumentopf: Darin eine Bohnenranke. Ich bin zwölf Jahre alt, um die Beine schlackert eine viel zu weite, grüne Cordlatzhose. Ich laufe. So schnell ich kann und das ist nicht sehr schnell. Wie immer ist der Kopf das schnellste an meiner unrühmlichen Gestalt, die versucht, ihre duftende Bohne vor dem minderjährigen Mob in Sicherheit zu bringen.

Ein Dirndl in Hannover

Nein, ich war damals weder hip noch cool. Meine Klamotten waren teuer, aber trendy waren sie nicht. Ich fand sie schön. In der fünften Klasse haben mich meine Eltern in Hannover mit einem Dirndl, rosa Schürze, Lackschuhen und Rüschensocken zur Schule geschickt. Dazu sprach ich wie eine zu klein geratene Frau Professor, altklug vom Prinz-Eisenherz-Pony bis zu den Lackschuhsohlen. In Bezug auf meine soziale Integration war das ungünstig. Ich war die perfekte Projektionsfläche für alle Wütenden, für die Dummen und die Schlauen, die ein bisschen hipper waren als ich. Ich gehörte zu der Gruppe, die statistisch und praktisch hintenüber fällt.

Von Schönheit

Schön? Tja. Manche behaupteten das. Aber der Freak-Stempel schien heller zu glänzen als die grünen Augen oder die dicken, braunen Haare.

Von Klugheit

Klug? Oje. Nachdem mir mein Vater das Mantra “Ich bin dumm” eintrieb, ergab sich ein chronischer Kurzschluss: Wie konnte es sein, dass ich im Vergleich zu vielen anderen fixer denken konnte und mir mein Vater Blödheit attestierte? Mit diesem Brainfuck lebe ich bis heute.

Von Jungend

Jung? Forget it. Mein dritter Beruf, die Bloggerei, trägt mich in ein Netzwerk, das junge, knackig-frische und hippe Bloggerinnen und Blogger regieren. Gefühlt, zumindest.

Bohnen-Reprise

Und bum. Da ist sie wieder, die Sache mit der Bohnenstange. Und zwar ausschließlich in meinem Kopf. Vor einiger Zeit strich ich mit meinem uncoolen Non-Hipster-Outfit durch eine Bloggerrunde auf der Medienmesse re:publica. In bis zur Socke durchdachten Outfits scheinen sich die Bilderbuch-Nerds bei Brezen und Bier über die neusten Lifehacks auszutauschen. Die haben keinen Bedarf an Leuten mit Freak-Stempel im Kopf. Denke ich.

In diesem Moment werde ich wieder zu dieser kleinen Bohnenträgerin, die Angst hat, nicht gut genug zu sein, die dazu gehören will.

Jemand drückt mir lächelnd einen Piccolo in die Hand, den ich für später in meiner Tasche bunkere. Ich halte inne. Muss jeder eigentlich immer cool, hip, schön und jung sein? Muss ich das? Und was ist das überhaupt? Ich war schon alles. Jung, als ich Armenien auf eigene Faust erkundete und in Russland beinahe im Gefängnis landete. Ich bin schön, wenn ich als Carmen auf der Opernbühne singe oder wenn ich mich so fühle. Megahip war ich, als ich das Finale eines Operetten-Wettbewerbs erreichte. Und klug, als ich eine Familie gründete.

Wahrhaftigkeit ist cool

An dem Tag auf der re:publica bin ich traurig, dass mich die alten Geister wieder besuchen. Nö, das ist weder hip, noch optimiert. Aber es ist wahr. Und Wahrhaftigkeit ist so das coolste, was ich kenne. Und sie ist schön. Wenn ich sie lasse. Wenn ich mich lasse.

Meine größte Herausforderung besteht wider Erwarten nicht darin, WordPress oder irgendeine andere Technik zu bezwingen. Es geht darum, einem in die Jahre gekommenen Selbstbild ein Update zu verpassen.

Meine erste Blogger Konferenz

Im November 2018 wartet meine erste reine Blogger Konferenz auf mich: die Blog Big in München. Am Abend zuvor treffen wir uns als Teil des Blogger Event in der L’Osteria in Schwabing. Auf  zum Pizza testen! Ich nutze das gesellschaftliche “Kammerkonzert” als Warmup. Mit dabei: Natürlich die Bohne. Erstaunlicherweise will die mir niemand wegnehmen. Ich frage mich, ob es den anderen womöglich ähnlich geht wie mir. Zu blöd, dass ich niemanden fragen kann. Ich höre auf zu denken und meine sichere Antenne für schillernde Menschen sorgt für die richtigen Tischnachbarn.

Bloggerevent, Social Media Conference – anderes Theater

Tags drauf stehe ich wie ein verunsichertes Kaninchen mit dem Jäger im Genick vor der Blogger Event Location. Gibt’s nicht. Wovor habe ich Angst? Hier beißt niemand und es gibt kein Spezialkommando, das es auf bloggende Opernsängerinnen abgesehen hätte.

Paranoidität ist ein Mechanismus zum Überleben aus der Kindheit. Das hier sind weder Lehrer noch meine Eltern. Es sind Menschen mit ähnlichen Ängsten, wie ich sie habe.

Das Wissen ist eine Sache. Der dauerplappernde Autopilot im Kopf mit seinen verzerrten Geschichten, wie von Dalí inspiriert, eine andere.

Let’s rock the Blog Party

Ich gehe durch den Raum, begrüße Svenja, die Mentorin-Freundin. Ansonsten kenne ich hier niemanden. In solchen Situationen versuche ich mittlerweile, das Unbehagen auszuhalten. Ich will wissen, wie es sich genau anfühlt, will es verstehen, anstelle es abzuschütteln. Auf diese Weise lichtet sich der Nebel und ich finde Zugang zu den anderen. Die möchten wie ich auf dem Blogger Event etwas erleben und lernen. Memo, liebes Hirn.

Blogger Event als Theaterbühne?

Im Grunde ist ein Blogger Event auch nichts anderes als eine Bühne, auf der Menschen miteinander und mit dem Publikum kommunizieren. Auf einem Blogger Event verschwimmt die Grenze zwischen Publikum und Darstellern. Das ist für mich als Theaterfrau ein spannendes Phänomen und wert, näher betrachtet zu werden.

Sobald mich Neugier packt, hat Angst keine Chance.

Blogger Workshop mit Mehr-Mehrwert

Svenja Walters Keynote versetzt den Saal in begeisterte Unruhe. An und in mir bleibt ein Satz haften. Am richtigen Ort, zur richtigen Zeit die richtigen Worte.

Entscheide du, ob du aus der Liebe oder der Angst heraus handelst. (Svenja Walter)

Später sagt diese Frau, die leuchtet, wenn sie auf der Bühne steht, dass sie ein introvertierter Mensch sei. Sie braucht viel Zeit allein, um die Kraft zu finden, sich einem Publikum zu stellen. Um die Sache rund zu machen, klack, erscheint ein Foto auf der Leinwand von Svenja, die in etwa so alt ist wie ich. Sie lacht uns gemeinsam mit zwei Kolleginnen entgegen, die “zusammen nicht mal so alt wie ich” sind. Tja.

Nerdin biste nicht, weil du 20 bist, sondern weil es deine Entscheidung ist, eine zu sein. Oder zu werden.

Vielleicht wohnt in mir auch eine Seidenraupe, der es gut täte, nicht chronisch über die eigenen Grenzen hinweg zu gehen. Und es wird Zeit, der Angst das Futter zu streichen. Mir kommt das Motto der Medienmesse re:publica 2017 in den Sinn.

Mehr als ein Blogger Event – die re:publica
Mehr als ein Blogger Event – die re:publica

Love out loud! (re:publica 2017)

Das nächst Mal vertraue ich darauf, dass die Leute dort hingehen, weil sie an humanistische Werte glauben. Ich darf mich zurücklehnen, aus dem Zentrum treten, gut für mich sorgen. Ich habe Lust, mich mit Menschen zu vernetzen, mit denen mich Werte, Ziele und Passionen verbinden. Das funktioniert jenseits von Abend Make Up, Hipster-Shirt und nerdy Socks. Und ohne Bohne im Kopf.

Ganz egal, ob du bloggst oder nicht – kennst du das Gefühl, nicht richtig zu sein? Ich habe mich weit aus dem emotionalen Fenster gelehnt und freue mich auf Austausch per Kommentar oder Mail. Ich finde, wer bloggt, darf was riskieren. Do you agree?

Ich wünsche dir eine gute Zeit, schön, dass du mitliest. Besuchst du mich mal wieder im Blogwohnzimmer? 

Deine RiskyMum Tanja

Thanx!

Danke an Janina und Sabine, die das Blogger Event in München, die Blog Big, organisiert haben. Merci den fantastischen Mamablog Kolleginnen Nadja von Mama im Spagat und Laura von munichmom. Außerdem meiner Freundin Sabrina vom Lifestyle Blog Leben mach’s einfach für den Startschuss zum Artikel. Danke an “Gute-Laune-Jana” von Mamanehmer, Mareike von Muttisoyeah, und Angelika vom Food Blog Meine Zuckerfreiheit. Und an Bettina von Respekt Herr SpechtMit und von euch und vielen anderen Bloggern habe ich viel gelernt, vor allem über mich. Und du, liebe Svenja von meine Svenja, bist und hast die Schatzkarte.

Trend it up: Meine Blogger Events 2018 – sehen wir uns?

  1. Digital Media Camp 2018, München
  2. Projektin, Nürnberg
  3. re:publica, Berlin
  4. Blogfmamilia, Berlin
  5. Blog Big, München 

Tanja Conrad

6 Comments

  1. Biggi 5. Dezember 2017

    hahaha – ja, genau so ist das Tanja <3
    Herzliche Grüße aus dem maison malou
    Biggi …. und so alt kann ich vermutlich gar nicht werden, als dass ich mich jemals irgendwie "normal und zugehörig" fühlen werde 😉 Das liegt aber glaub ich weniger an einer vermeintlich verbockten Kindheit, als daran, dass diese Empfindung einfach tief in einem selber steckt

    1. Tanja Conrad 5. Dezember 2017

      Das musste einfach raus, danke für deine Worte. Es ist halt die Frage, warum das so tief in uns sitzt. Mit ein wenig gelungenerer Sozialisation würde ich heute vermutlich nicht über Bohnen schreiben … können. Von daher – liebste Grüße zurück ins maison malou!

      1. Biggi 5. Dezember 2017

        Du sprichst mir absolut aus der Seele, gar keine Frage. Wie gesagt – ich kenne das selber zur Genüge. Da ich mich seit vielen, vielen Jahren mit psychologischer Astrologie befasse, bin ich zu dem Schluß gekommen, dass es einfach die Anlagen sind, die wir mit auf diese Welt bringen…. Aufgaben, an denen die Seele wachsen will. Gefühle, die wir schon im Mutterleib aufgenommen haben und die dann unsere Aufgaben wunderbar mit dem roten Faden der Familienthemen verweben…
        Du wirst sehen – es wird der Zeitpunkt kommen, da wirst Du es lieben, das bunte Schaf in der großen Herde zu sein 😉 Das dauert aber ….

        1. Tanja Conrad 5. Dezember 2017

          Ich glaube, es ist wichtig, seine Zeit mit anderen “bunten Schafen” zu verbringen. Im Theater finde ich mich in jedem irgendwo wieder. In der Nerd-Welt ist das halt noch nicht so. Aber es ist ein spannender Prozess. Ich glaube auch, dass wir mit unseren Aufgaben auf die Welt kommen. Ich glaube aber auch, dass wir die Wahl haben, wie wir damit umgehen wollen. Ich lerne aus dem, was ich erlebt habe und wähle für meine Familie bewusst einen anderen Weg. Jedenfalls schön, dass es viele mitdenkenden und -fühlenden Menschen gibt wie dich. Made my day!

  2. Sabrina 6. Dezember 2017

    Hey schöne Frau! Ich glaube, dass eine der größten Aufgaben von Menschen darin besteht, die eigenen Verletzungen (halt meist verursacht durch andere Menschen – oft in frühen Tagen) im laufe des Lebens zu begreifen und sie dann zu heilen. Nicht heilen ZU LASSEN sondern aktiv den Balsam auf die Wunden und Narben aufzutragen, die von KIndesbeinen an oder später Teil von uns sind. Eine Methode ist das aktive Aufsuchen von Möglichkeiten, in denen “die innere Stimme um den möglichen Mob warnt, der unsere Bohnenstange in Gefahr bringt” 😉 und ihr dann zu zeigen, dass sie sich irrt. Wir sind in Sicherheit, wenn wir das wollen. Insofern: Genial, dass Dich Dein Weg auf eine Opern-Bühne geführt hat, auf der Dich ALLE sehen können – und Du auch noch saugut dabei aussiehst und klingst und niemand an Mobbing oder Hetze wegen Dummheit denkt. Genial, dass Dein Sohn erst dann auf die Welt kam, als Du stark genug für mindestens zwei warst. Genial, dass Du angefangen hast darüber zu bloggen, denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass auch dieses Projekt zur rechten Zeit großartig genial wird! Hau inne Tasten. Schöne Grüße aus Barcelona (ich schreibe dort Artikel und Roman, einfach weil ich es kann *BAAAAM* wieder ne Angst weniger)

    1. Tanja Conrad 10. Dezember 2017

      Danke schön, selber schöne Frau, deine Worte berühren mich. Und genau so sieht’s aus. Aktiv werden und die Konfrontation suchen. Ab in die Selbstwirksamkeit. Freue mich auf den gemeinsamen Champagner – den zum Trinken und auf den des Austauschs. Und auf deinen Roman.❤️

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